abc.etüden. Auf dem Sprung.

2019_1920_2_300.jpgImmer wenn sie ihre Freundin beim Sprechen beobachtet muss sie an die grünen Katzenaugen ihres Katers denken. Tiger hat sie ihn getauft. Ihre Freundin heißt Lilli. Immer wieder ist sie irritiert und höchst beeindruckt wenn sie Lilli beim Sprechen beobachtet. Diese grünen Katzenaugen sind der Hit. Fehlt nur noch, dass sich die Pupillen senkrecht verziehen. Dann wieder gelingt es ihr, ihre Augen wie dunkelgrüne Knöpfe funkeln zu lassen.

Lilli kommt ihr immer vor als wäre sie auf dem Sprung. Sie erzählt hektisch. Immer kurze Sätze verwendend. Flüstert oft. Als lauerte große Gefahr. Und dann dieser Satz, den sie immer wiederholt: Das ist gut!

Das ist gut! Wie kurios! Sie balanciert die Wörter als lägen sie auf einem Tablett. Daneben dampft grüner Tee. Die Wörter könnten purzeln oder wegspringen, sich verbrennen. Deshalb hört sich ein Gespräch mit ihr immer wie ein Wasserfall an. Weiterlesen

abc.etüden Verdreckte Fingernägel

2019_1718_2_300Ich musste an die Fingernägel einer Bekannten denken, wenn sie Kartoffeln setzte bzw. erntete. Sie waren nie wirklich richtig sauber. Also schrieb ich gleich eine zweite Etüde für Christianes Blog. Die Wortspende diesmal von Agnes.

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Ihr Hände waren rau und braun verdreckt mit Erde. Jedes Jahr um diese Zeit setzte sie Kartoffeln und freute sich schon auf den Herbst wenn sie sie ernten konnte. Leckere Kartoffeln aus dem Garten! Ihr Kreuz tat ihr weh. Was eine Schufterei jedes Jahr. Immer wieder die gleichen Arbeiten im Frühling: Mit der Grabgabel den Boden lockern. Kompost und Mulch besorgen beim Bio-Hof. Jedes Jahr fuhr sie hin mit ihren großen Säcken und füllte sie Schaufel um Schaufel. Auch das war keine leichte Arbeit. Auch hier jaulte der Rücken, wenn sie nicht aufpasste. Bauchmuskeln anspannen und richtig bücken damit die Hexe nicht reinschießt, so ermutigte sie sich Jahr für Jahr. Im Garten wurde die frische Erde dann verteilt und der Kompost kam oben drauf. Der Gartenmulch war für die anderen Beete gedacht.

Nun stand sie im Bad und sah ihre verdreckten Hände an. Weiterlesen

abc.etüden: Kartoffeln mag ich nicht

2019_1718_1_300Kartoffeln sollte sie einkaufen. Sie fühlte sich  bevormundet als ihre Mutter bestimmte: „Heut Abend gibt es Kartoffelauflauf. Basta!“. Dabei wusste sie, dass sie keine Kartoffeln mag. Ihre Mutter liebte Kartoffeln in allen erdenklichen Macharten: Kartoffelbrei, Pommes, Brat- oder Pellkartoffeln, als Gratin oder Auflauf.“

Bekanntermaßen gehören Kartoffeln zur Familie der Nachtschattengewächse. Beide hörten erst vorgestern einen Vortrag über Hildegard von Bingens Ernährungslehre. Die Referentin war super und sprach ihr aus der Seele. Kartoffeln sollte man NICHT essen. Sie gehören zu den sogenannten „Küchengiften“. Sie jubilierte innerlich, als sie das hörte und endlich Zustimmung fand. Denn sie hatte es selbst gespürt, wenn sie Kartoffeln aß, bekam ihr das gar nicht.

Auf dem Weg zum Markt flanierte sie an Schaufenstern vorbei. Sie liebte diese Straße mit ihren bunten Eindrücken. Sie sah rosafarbene High Heels, schöne Holzlaufräder für Kids, große Vogelkäfige zierten eine Caféterrasse. Ihr mieses Gefühl verflog und sie fühlte sich zunehmend leicht und ein bisschen verliebt ins Leben. Sie lachte sich selbst im Spiegel der Schaufenster an. Sie fühlte sich beobachtet. Anzügliche Blicke trafen sie von einer Gruppe Männer in blauen Anzügen, die rauchend beim Aschenbecher Weiterlesen

Extraetüden. Eindrücke von unterwegs in die Stadt

2019_14_26482_extraetuedenChristiane verkündete Extraetüden in ihrem Blog für diese Woche. Sechs Begriffe stehen zur Verfügung für einen Text mit maximal 500 Wörtern. Ich hatte da so eine Idee :-). Und hab sogar alle 6 Wörter drin.

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Vom Dorf in die Großstadt. Wie sie diese Tage liebte. Es war wie in eine andere Welt eintauchen. In eine lebendige und fröhliche. Im Bahnhof ankommend schaute sie  aufmerksam. All die Menschen, die von A nach B gingen. Die Treppe runter oder die Rolltreppe rauf. Hier jetzt in diesen Zug einsteigen, tagträumte sie, nach Wien und weiter nach Budapest reisen.

Sie aber hatte heute ein Ziel. Ihr Lieblingscafé. Dort würde heut der Kreative Schreibworkshop ausfallen. Sie hatte sich dennoch ihr Notizbuch und ihren Laptop eingepackt und ist los. Mal wieder raus aus dem Dorf. Manchmal ging ihr diese Stille auf den Keks, die sie so liebte. Putzen, Gartenarbeit, aufräumen … Wäsche waschen. Ja klar. Aber diese Stadttage brachten sie zurück ins Leben. Das brauchte sie. War Wäschewaschen nicht auch leben? Mit tausend Gedanken ist sie wach geworden. Mit einem Lächeln dachte sie ans Bogenschiessen das sie neu für sich entdeckt hat. Sich auf einen Punkt konzentrieren. Gerade und gespannte Körperhaltung einnehmen, das Ziel anvisieren und den Pfeil los lassen. Toll. Passt gut um noch wesentlicher zu werden, dachte sie.

IMG_1583Schon auf dem Weg ins Café hätte sie zu allem was sie rechts und links von sich entdeckte eine Kurzgeschichte schreiben können. Dachte sie oft, wenn sie durch die Stadt schlenderte: Eigentlich müsste ich sofort los schreiben. Sie knipste häufig beim Vorbeigehen, das was sie eindrücklich fand. Für später. Wenn sie drüber schreiben würde. Sie las die Headlines auf den Plakaten. Geschichten bahnten sich in ihrem Kopf. Gott sei Dank regnete es nicht wie in der WetterApp angekündigt. Nieselregen, Starkregen, Landregen mochte sie nicht. Auch wenn die Natur danach dürstete. Heute fühlte sie sich leicht. Der Frühlingswind, der ihr Gesicht streifte ließ Schmetterlinge fliegen in ihrem Bauch und in ihrem Herzen.

Straßenarbeiter schnitten mit einer Säge die Straße auf. Ein ohrenbetäubender Lärm. Sie hielt sich die Ohren zu. Im Vorbeigehen las sie: „Kosmos Politics“. „How to make braids“. „Yoga Kurse bei Iola studio“. „Afternoontea“. „Urban Gardening Workshops“. Gerade letzteres wäre vielleicht was für sie. Weiterlesen

abc.etüden. Kläffende Hunde beißen doch

2019_1213_1_300Christianes abc.etüden sind immer wieder inspirierend. Die Wörter für die Textwochen 12/13 des Schreibjahres 2019 kommen von Rina und ihrem Blog Geschichtszauberei.

Sie fuhr das erste Mal mit dem Leihfahrrad auf unbekannten Wegen. Ihr Navi hatte sie eingepackt. Für den Fall der Fälle. Immer wenn sie das rechte Pedal nach unten trat hörte sie ein metallisches Klicken, was sie ein wenig nervte.

Karge frühlingsgrüne Landschaft erfreute ihr Auge. Farbtupfer von gelben Blüten sprengten das harmonische Bild. Sie genoss die Weite und sog tief die würzige Luft ein. Die Sonne schien von einem blauen und glasklaren Himmel. Sie fühlte sich frei und spürte den kühlen Wind an ihrem Gesicht. Sie hörte in der Ferne wütendes Hundegebell und wurde unruhig. Beruhige dich, dachte sie, kläffende Hunde beißen nicht.

Sie näherte sich dem Gebell und erkannte einen Zaun, der sie vor einem Rudel aufgeregter Hunde schützte. Eines der Tiere scharrte wild am Boden. Flugs schlüpfte es unter dem Zaungeflecht hindurch und jagte knurrend Weiterlesen

abc.etüden. Schneegestöbers Schlussgeschichte (Teil 6)

Nicole hatte es sich im ICE nach München gemütlich gemacht. Allerdings stand der Zug nun schon seit einer Weile. Die Lautsprecher knisterten und eine weibliche Stimme verkündete: „Sehr geehrte Fahrgäste, unser Zug kann leider nicht weiterfahren. Vor uns hat sich eine hohe Schneeverwehung aufgetürmt. Die Feuerwehr ist unterwegs. Wir müssen leider mit mit einer Verspätung von mehreren Stunden rechnen. Bitte machen Sie es sich gemütlich. Wir werden gleich mit Decken, Tee und Sandwiches an Ihrem Platz vorbeikommen“. Draußen toste der Wind und die Schneeflocken schlugen an die Fensterscheiben. Winterreifen hätten hier auch nichts genutzt, dachte Nicole. Wäre sie bloß bei Pierre im Chalet geblieben und2019_0607_2_300

hätte die Nacht abgewartet, dachte sie noch bevor sie einschlief.

Pierre dagegen lief enttäuscht und zornig im Chalet von Zimmer zu Zimmer und suchte Nicole. Wo ist sie denn bloß? überlegte er. Eifersüchtig war er gewesen, als sie ihm ganz verzaubert von Michael aus München erzählte. Er übersah im Dunkeln die letzte Treppenstufe und stolperte. Weiterlesen

abc.etüden: Winterreifen gratis dazu

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Winterreifen gibt es gratis dazu“, las sie beim Vorbeigehen. Sie war gerade aus dem Zug gestiegen. Ein großes Plakat hing am Bahnsteig. Sie blieb neugierig stehen und liess sich diesen Satz auf der Zunge zergehen. „Gratis zum SUV dazu“. Cool, dachte sie. Ihre Winterreifen hatten nach diesem Winter eh ausgedient und ein neues Auto wäre chic. Sie wollte nämlich ab Frühjahr in den Bergen wohnen und endlich ihrem bisherigen Stadtleben Adieu sagen. Endlich würde sie ihren Traum verwirklichen: auf einem alten Bauernhof leben, Tiere halten und Gemüse anbauen und ein Bed-and-Breakfast eröffnen. Die drei Schlafzimmer im obersten Stockwerk hatten jeweils ein eigenes Bad. Sie freute sich auf ihr neues Leben. Seit dieser Entscheidung war sie rundherum glücklich. Migräne hatte sie schon seit Wochen nicht mehr geplagt. Sie müsste nun nie mehr eifersüchtig auf andere Aussteiger schielen. Sie gehört jetzt zu denen dazu, die für ihren Lebensumbruch bewundert würde. Sollten doch die anderen weiter unzufrieden durch ihr Leben stolpern.

Seit Jahren hatte sie sich auf diesen Schritt vorbereitet: Weiterlesen