abc.etüden. Kläffende Hunde beißen doch

2019_1213_1_300Christianes abc.etüden sind immer wieder inspirierend. Die Wörter für die Textwochen 12/13 des Schreibjahres 2019 kommen von Rina und ihrem Blog Geschichtszauberei.

Sie fuhr das erste Mal mit dem Leihfahrrad auf unbekannten Wegen. Ihr Navi hatte sie eingepackt. Für den Fall der Fälle. Immer wenn sie das rechte Pedal nach unten trat hörte sie ein metallisches Klicken, was sie ein wenig nervte.

Karge frühlingsgrüne Landschaft erfreute ihr Auge. Farbtupfer von gelben Blüten sprengten das harmonische Bild. Sie genoss die Weite und sog tief die würzige Luft ein. Die Sonne schien von einem blauen und glasklaren Himmel. Sie fühlte sich frei und spürte den kühlen Wind an ihrem Gesicht. Sie hörte in der Ferne wütendes Hundegebell und wurde unruhig. Beruhige dich, dachte sie, kläffende Hunde beißen nicht.

Sie näherte sich dem Gebell und erkannte einen Zaun, der sie vor einem Rudel aufgeregter Hunde schützte. Eines der Tiere scharrte wild am Boden. Flugs schlüpfte es unter dem Zaungeflecht hindurch und jagte knurrend Weiterlesen

abc.etüden. Schneegestöbers Schlussgeschichte (Teil 6)

Nicole hatte es sich im ICE nach München gemütlich gemacht. Allerdings stand der Zug nun schon seit einer Weile. Die Lautsprecher knisterten und eine weibliche Stimme verkündete: „Sehr geehrte Fahrgäste, unser Zug kann leider nicht weiterfahren. Vor uns hat sich eine hohe Schneeverwehung aufgetürmt. Die Feuerwehr ist unterwegs. Wir müssen leider mit mit einer Verspätung von mehreren Stunden rechnen. Bitte machen Sie es sich gemütlich. Wir werden gleich mit Decken, Tee und Sandwiches an Ihrem Platz vorbeikommen“. Draußen toste der Wind und die Schneeflocken schlugen an die Fensterscheiben. Winterreifen hätten hier auch nichts genutzt, dachte Nicole. Wäre sie bloß bei Pierre im Chalet geblieben und2019_0607_2_300

hätte die Nacht abgewartet, dachte sie noch bevor sie einschlief.

Pierre dagegen lief enttäuscht und zornig im Chalet von Zimmer zu Zimmer und suchte Nicole. Wo ist sie denn bloß? überlegte er. Eifersüchtig war er gewesen, als sie ihm ganz verzaubert von Michael aus München erzählte. Er übersah im Dunkeln die letzte Treppenstufe und stolperte. Weiterlesen

abc.etüden: Winterreifen gratis dazu

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Winterreifen gibt es gratis dazu“, las sie beim Vorbeigehen. Sie war gerade aus dem Zug gestiegen. Ein großes Plakat hing am Bahnsteig. Sie blieb neugierig stehen und liess sich diesen Satz auf der Zunge zergehen. „Gratis zum SUV dazu“. Cool, dachte sie. Ihre Winterreifen hatten nach diesem Winter eh ausgedient und ein neues Auto wäre chic. Sie wollte nämlich ab Frühjahr in den Bergen wohnen und endlich ihrem bisherigen Stadtleben Adieu sagen. Endlich würde sie ihren Traum verwirklichen: auf einem alten Bauernhof leben, Tiere halten und Gemüse anbauen und ein Bed-and-Breakfast eröffnen. Die drei Schlafzimmer im obersten Stockwerk hatten jeweils ein eigenes Bad. Sie freute sich auf ihr neues Leben. Seit dieser Entscheidung war sie rundherum glücklich. Migräne hatte sie schon seit Wochen nicht mehr geplagt. Sie müsste nun nie mehr eifersüchtig auf andere Aussteiger schielen. Sie gehört jetzt zu denen dazu, die für ihren Lebensumbruch bewundert würde. Sollten doch die anderen weiter unzufrieden durch ihr Leben stolpern.

Seit Jahren hatte sie sich auf diesen Schritt vorbereitet: Weiterlesen

abc.etüden. Nicole im Chalet

2019_0607_1_300Nicole schaute auf ihr Smartphone und spürte wie ihr Zorn in ihren Adern wallte. Seine letzten Worte „Ich, ich …“ hallten noch in ihren Ohren nach. „Ja, was „ich, ich“?“ fragte sie sich. So wie sie ihn kannte hatte er mal wieder das Ladekabel irgendwo liegen lassen. Und sie erinnerte sich an ihren Disput über seine Fahrt in die Schweiz ohne Winterreifen und ohne die Schweiz-Plakette. „Geizhals und Besserwisser“ wisperten ihre inneren Stimmen wütend. Jetzt stand er sicher irgendwo am Straßenrand und stolperte durch den Schnee. Sie hatte die Faxen dicke. Sie ärgerte sich schon seit Monaten über ihn. Ständig dieses Machtspiel zwischen ihnen. Sie sehnte sich schon lange nicht mehr nach seiner Zärtlichkeit aber sie spürte ihre Lebenslust und Neugier. Weiterlesen

abc.etüden. Schneegestöber und zartes Knistern

2019_0607_2_300Sie suchten zärtlich ihre Lippen. Tastend und forschend näherten sich ihre Zungen und spielten mit der aufregenden Situation. Ihre Sehnsucht entlud sich im verlangenden Liebesspiel. Sie flüsterten sich ihre Vornamen ins Ohr. „Lisa heiße ich“. Er hauchte „wie schön Dich kennenzulernen, ich bin Matze, eigentlich Matthias. Du bist so schön. Deine Haut ist so weich.“ Sie lachten sich glücklich an, umfassten ihre Hände, berührten ihre Fingerkuppen und spielten mit der Handinnenfläche. Und so erforschten sie Zentimeter um Zentimeter ihre Haut, zogen sich Stück für Stück aus und genossen ihre nackten Körper. Weiterlesen

abc.etüden. Draußen Schneegestöber. Drinnen knistert’s.

2019_0607_2_300.jpgSie kam zurück ins Wohnzimmer mit zwei dampfenden Teetassen. Ein betörend blumiger Duft strömte in den Raum. Sie war ganz aufgekratzt und freute sich heimlich über ihren unerwarteten Besuch. Da lag er eingerollt auf der Couch und schien zu träumen. Er murmelte immer wieder vor sich hin und grunzte dabei. Fast wäre sie über ihren Hund gestolpert. Er lag ausgestreckt vorm Kamin, in dem das Feuer heimelig knisterte. Sie atmete tief ein und aus. „Es war schon lange kein Mann mehr hier gewesen. Ich sollte ihn am besten festbinden damit er nicht so schnell wieder wegläuft“. Ihre Phantasie ging mal wieder mit ihr durch und sie kicherte fröhlich vor sich hin.

Sie erschrak heftig Weiterlesen

abc.etüden. Schneechaos ohne Winterreifen – die Rettung

2019_0607_1_300Geistesgegenwärtig drehte er sich noch einmal um und schaltete die Warnblinkanlage an. In der Ferne erkannte er hinter dem Schneeflockenvorhang ein schwaches Licht. Darauf steuerte er zu und hoffte inständig, dass jemand zuhause war. Er stolperte und schlingerte mit seinen inzwischen völlig durchweichten Kalbslederslippers auf dem schneebedeckten Asphalt. Spürte er überhaupt noch seine Arme und Füsse? Er umfasste seine nassen Finger und rieb sie kräftig. In den Schuhen bewegte er seine eiskalten Zehen. Die feuchte Kälte zog tief in seine Knochen. Nur langsam kam er voran bis er schließlich vor dem Licht stand. Es strömte aus einer Laterne, die über einem Hauseingang hing. Dieser gehörte zu einem alten aber renovierten Bauernhof so weit er das im Schneegestöber erkennen konnte.

Ein Hund kläffte. Die Krallen seiner Pfoten waren direkt hinter der Haustür zu hören: Ein sanftes Klicken auf dem Steinboden. Weiterlesen