Über Petra Schuseil

Als "alte" Frankfurterin lebe ich seit Anfang 2012 am Zürichsee. 60*plus bin ich jetzt und in meinem Alter angekommen. Ich bin gern unterwegs und schreibe regelmäßig Morgenseiten. Im Sommer schwimme ich im See, im Spätherbst in Zypern im Meer. 2013 kam mein Buch "Finde Dein Lebenstempo" auf den Markt. Seit Ende 2014 blogge ich regelmäßig im Totenhemd-Blog. Wenn nicht jetzt, wann dann ist mein Lebensmotto.

abc.etüde: Iris und Hugo. Die zwei auf dem Ei.

Und hier nun meine Etüde zum Ei, das ich in der vorherigen „Sachetüde“ vorstellte.

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2022/05/01/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-18-19-22-wortspende-von-myriade/

Iris, die Giraffe, gähnte verschlafen. „Ah, ich muss mal meine alten Knochen strecken. Ganz steif sind sie. Hugo, mach mal Platz und lass uns das Ei drehen. Ich brauch nicht nur Platz sondern auch einen Perspektivwechsel“. Es knirschte in den Gelenken, als sich Iris räkelte und streckte. Iris war auf der einen Seite des Porzellaneis, Hugo, der Elefant, auf der anderen Seite.
„Hey, mach dich nicht so breit“, schimpfte Hugo zuerst und ergänzte: „Das trifft sich gut, Iris. Fangen wir an. Immer nur auf die Holztischplatte zu starren ist langweilig“ und betonte dies gleich lautstark trompetend.

Die beiden schaukelten nun hin und her, so dass sich das Ei langsam rollte. Iris lag nun mit dem Blick nach unten und Hugo konnte das Tageslicht erkennen. „Meine Haut könnte mal ein paar Spritzer Wasser vertragen. Ganz schön ausgetrocknet mein Pelz“, lamentierte Hugo, der es sich nun im Tageslicht gemütlich machte. „Hugo, schups mich nicht“, zickte Iris.

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Tja, von wem hab ich das Ei?

Christiane hat wieder zum Schreiben einer Kurzgeschichte im Rahmen der abc.etüden eingeladen. Die Wortspende kommt von Myriade: Giraffe, mondsüchtig, suchen.

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2022/05/01/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-18-19-22-wortspende-von-myriade/

Dieses Ei, aus Porzellan oder vielleicht Gips, fiel mir im April aus der Osterkiste entgegen. Eingehüllt in grünem Ostergras nahm ich es in die Hand. Ein Handschmeichler. Kühl. Glatt. Schön. Und die beiden Tiere, die Giraffe und der Elefant sehr schön eingezeichnet, finde ich.

Wer hat mir dieses Souvenir mitgebracht? Kommt es aus Afrika, wo mein Mann mal beruflich zu tun hatte? Das wäre schon einige Jahre her. Und solange hab ich diese bezaubernde Rarität bereits. Meine Schwester kann es nicht gewesen sein. Sie war erst kürzlich in Tansania und ist sozusagen ganz familiär gereist und war den Menschen vor Ort ganz nah. Natürlich hat sie die Big Five gesehen.

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Lesetipp: Irgendwann wird es gut. Von Joey Goebel. Kurzgeschichten.

Schon gewusst? Ich hab es ja nicht so mit Kurzgeschichten. Obwohl ich die abc.etüden mitschreibe. Jetzt wieder. Das Schreiben für Christianes abc.etüden ist immer wieder eine kleine Herausforderung für mich. Nicht wegen der 300 Wörter sondern wegen der Geschichte, die erzählt werden will.

Meistens schreibe ich drauf los und meistens ist es ganz passabel. Die innere Schreibkritikerin verdreht selbstverständlich oft die Augen und ist nie zufrieden. Was’n Stress! Deshalb hab ich mich zu einem Workshop angemeldet bei Peter Ackermann zum Thema „von der Idee zur eigenen Kurzgeschichte“.

Ich sagte ihm kürzlich: wenn ich nach dem Workshop „einfach“ schreibe, ohne Stress und Anstrengung, dann hat sich die Reise nach Cornwall gelohnt. Mit Peter war ich im Val Fex letzten Herbst. Hab ich darüber hier geschrieben? Ich habe ne ganze Menge gutes Rüstzeug auf den Weg bekommen, um besser zu schreiben. Ich war sehr beflügelt. Das wünsche ich mir für die Kurzgeschichten auch. Außerdem freue ich mich tierisch auf Cornwall. Da war ich noch nie.

Warum ich so weit aushole?

In einem Kommentar meiner abc.etüde „Strom sparen“ hab ich letztens erwähnt, dass ich die Idee vom „sich aufgeilenden Typen“ aus einem Buch habe.

Dieses Buch bzw. die Geschichte, die ich darin gelesen hatte, will ich euch kurz vorstellen. Die Geschichte fand ich nämlich gähnend langweilig. Das Buch wurde so vorgestellt, als wenn diese Kurzgeschichten nun das Beste dieses Autors sind, nachdem er vier Romane geschrieben hatte. Ich bekam das Buch übrigens geschenkt während des Eincheckens in einem Lieblingshotel im Engadin. Ich hatte mich sehr darüber gefreut.

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Orthodoxer Ostersonntag mit Kaffeezeremonie

Heute spät und auch verspätet und kurz vor Etüdenschluss – noch meine Antwort für Christiane zum Osterfest unserer Nachbarn aus Eritrea.

Wir wurden letzten Sonntag bei unseren Nachbarn zum orthodoxen Osterfest eingeladen. Es gab für Eritrea typische Festtagsgerichte. Eine Pfanne mit Schaffleisch, Karotten und Kartoffeln. Außerdem lecker gewürztes Hühnchenfleisch. Dazu Salat und ein luftiges Fladenbrot. Normalerweise würde man damit die Speisen aufnehmen oder die Soße auftunken und anstatt eines Löffels zum Mund führen. Es schmeckte köstlich.

Die Hausherrin bereitete danach akribisch den Festtagskaffee zu. Wir fühlten uns sehr geehrt, denn sonst kommt auch bei ihnen die schnelle Kaffeemaschine zum Einsatz. Die für uns zelebrierte Kaffeezubereitung dauerte einfach eine Weile länger. Auf einem wie ein Puppenherd aussehendem Kocher wurden die grauen Kaffeebohnen geröstet. Es knackte, Röstschwaden zogen durch die Wohnung und es duftete aromatisch. Danach wurden die abgekühlten Bohnen gemahlen, in einem braunen Gefäß das Pulver mit Wasser vermischt und dann auf der Herdspirale aufgekocht. Es kam eine Prise Ingwerpulver hinein. Die Mokkatässchen wurden gefüllt, mit oder ohne Zucker.

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Der feine Unterschied: Dreikönigskuchen – Königskuchen

Christiane hat zur abc.etüde eingeladen für die Woche 16 und 17. Die Wortspende von Ludwig Zeidler dem Etüdenerfinder.

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von Christiane

Seine Mutter wünschte sich zum Geburtstag einen Königskuchen. „Back mir einen Königskuchen bitte“. „Na wenn schon, dann einen Königinnenkuchen für Dich!“, und zwinkerte ihr zu.

Er erinnerte sich an seine erste Begegnung mit dem Schweizer „Dreikönigskuchen“. Ein ganz anderes Gebäck. Ein flacher Kranz aus 6 bis 8 Hefekugeln mit Mandelblättchen bestreut. Dieser ist kurz vorm 6. Januar überall in den Bäckereien und in den Brotabteilungen der Lebensmittelläden zu finden. Morgens beim Frühstück am 6. Januar wird dann die Person zum König bzw. zur Königin, die die weiße kleine Königsfigur im Teigstück findet. Die dazugehörige Krone aus goldener Pappe ziert das Haupt der Finderin bzw. des Finders während des sogenannten „Zmorge“. Natürlich will jeder König bzw. Königin sein.

Der klassische Königskuchen, den sich seine Mutter wünscht, schmeckt aber anders. Er wird mit Orangeat und Zitronat (mag nicht jeder) und mit zuckersüßen roten Kirschen gebacken. Ein Rührteig. Ein Napfkuchen. Er erinnerte sich sogleich an die rot geschminkten Lippen seiner Freundin. Sie hielt eine leuchtend rote Cocktailkirsche zwischen ihren weißen Zähnen. Sie liebte es, diese zu zerbeißen und mit einem Martini auf Eis zu schlürfen. Jedes mal schwärmte sie, wie lecker dies sei.

Sollten sie nicht mal wieder auf einen Apéro nach Zürich fahren. Sich mit dem Zug in die schöne Stadt bringen lassen, durch die Straßen schlendern und in diese angesagte Bar gehen. Wie war noch der Name? Leute gucken, über Gott und die Welt reden, Nüsschen knabbern, Cocktails trinken, den nächsten Urlaub planen. Wie lange hatten sie das nicht gemacht. Immer nur Arbeit Arbeit Arbeit. Akribisch waren sie da beide. Immer musste es perfekt sein.

Seine Freundin weiß sicher das Rezept für Königskuchen. Er rief sie an und lud sie zum Cocktail ein. Mal wieder von Urlaub träumen. Morgen aber erstmal den Königinnenkuchen für Muttern backen. Darauf eine Cocktailkirsche!

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Strom sparen

Für die aktuellen abc etüden schreibe ich (mal wieder) mit:

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2022/04/03/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-14-15-22-wortspende-von-katha-kritzelt/

Er hatte ein sonniges Standardzimmer gebucht. Erwartungsvoll schloss er die Tür auf. Trat ein. Es vibrierte nicht nur in ihm sondern auch der Kühlschrank. Seine erste Aktion. Immer wenn er ein Hotelzimmer betrat: Alle Elektrogeräte ausschalten. (Manchmal gab es auch tickende Uhren). Für ihn gab es nichts Schlimmeres als dieses unnütze klitzekleine Geräusch, das ihm solche Schmerzen in seinen Ohren verursachte.

Ruhe.

Er atmete tief ein und aus.

Mit der Ruhe fiel ihm sein Gepäck ein. Nicht nur seine Kleidung sondern auch seinen Erzählstoff, den er in die fremde Stadt mitgebracht hatte, wollte er sortieren. Der Schreibtisch mit Blick in den Park. Der Holztisch mit der eleganten Lampe. Das richtige Ambiente für ihn um hier zu schreiben. Er wollte Fakten schaffen. Recherchieren. Hier wollte er den roten Faden für seine Erzählung finden. Noch hatte er keine Ahnung wie ihm dieser Leitgedanke gelingen könnte. So war das immer. Er kannte das schon. Immer dieser Stress, das leere Blatt, null Ideen. Aber er kannte sich. Gedanken würfeln. Wieder verwerfen. Ein Stichwort würde hängen bleiben und dann könnte er loslegen.

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Bin regelmäßig in Bad Kreuznach bei Muttern

der Kreuznacher Kornmarkt belebt wie nie

Mit meiner Mutter wollte ich gestern gemütlich Kaffee trinken in unserem Lieblingscafé. Sie erzählte mir, sie hätte einen Zahnarzttermin mit Zähne ziehen und so. Na gut. War ich mal wieder in meiner schönen Heimatstadt und habe meiner Mutter an der Seite gestanden: eingekauft, sie hingebracht zum Zahn-Doc und wieder abgeholt, Taxi gefahren und sicher zurück in ihre Wohnung gebracht.

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Was Wolken uns erzählen

heute morgen am Zürichsee von der Eingangstür fotografiert

Wolken erzählen uns Geschichten.
Sie türmen sich auf, werden zu Bildern.
Zu Gesichtern oder Fratzen.
Man sieht Ohren oder Nasen. Flügel.

Wolken kommen und gehen.
Sind fluffig, zart oder wüst, zorniggrau.
Beeindruckend jedenfalls.
Erzählen vom Sturm unterwegs.
Der Flaute, die sich zäh anfühlte.

Sie platzen aus allen Nähten.
Es nieselt, tropft oder schüttet aus Kübeln.

Auf manchen Wolken sitzt vielleicht jemand, den wir vermissen.
Wir winken hinterher.

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