Gestern im Jazz im Palmengarten

Endlich … nach Corona … zum 64. Mal fand Jazz im Palmengarten statt. Von denjenigen, die immer dabei sind, sehnsüchtig erwartet. Ich war schon lange nicht mehr dabei und war gespannt auf die „Oldies“, die mit mir älter geworden sind. Und ja, sie waren wohl fast alle wieder da. Ich sah Fältchen und graue Haare, Männer mit Haarband, wenig jüngere Leute. Natürlich wurde wieder gepicknickt. Es waren aber in alt bekannter Tradition der Äppelwoi- und Bratworscht-Stand offen.

Den Auftakt machte das Thärichens Tentett mit dem neuen Album „No Half Measures, u.a. mit einem Sänger, der mir gut gefallen hat. Schlank. Lange Arme, schmale Hände, das schwarze Shirt etwas zu kurz an den Armen … ein bissel Comedian :-). „Was Thärichen damit meint, wird am besten im Arrangement von „Paperback Writer“ klar, bei dem aus dem Intro des Beatles-Originals ein eigener wiederkehrender Teil wird“.

Wir hörten außerdem ein Stück, das in den Totenhemd-Blog gehört: Ich hab dir heut ein Grab gekauft. Ganz schön toll und morbide.

Ein Elfchen ist eben entstanden.

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Der Versuch: See u in another life

Christiane hat zu ihrer letzten abc.etüde vor der Sommerpause eingeladen mit Wörtern gespendet von onlybatscanhang.

„See u in another life“, verabschiedete sich Harald von Juliane, die am Hafenquai zurückblieb. Er stieg die Steinstufen hinunter ins Wasser. Der 72-jährige trug seine blau gepunktete Badehose und kraulte Richtung offenes Meer. Es war stürmisch und ungemütlich draußen. Das Meer hatte etwa 14 Grad. Sie dachte wehmütig an ihren gestrigen Abend im Hotel bei „duck breast“ als Vorspeise und „catch of the day“ als Hauptgang. Der Seeteufel war auf den Punkt gegart, dazu wurden Brokkoli und Kartoffeln serviert. Harald hatte ihr gesagt, es würde ihr letzter Abend und Liebesnacht werden.

Er wolle nicht mehr leben, sagte er ernst. Er würde einfach aufs offene Meer hinaus schwimmen. „Juliane, der Lungenarzt gibt mir ein halbes Jahr. Ich will nicht leiden, auch wenn ich in den letzten Wochen gut betreut würde. Ich habe Angst. Außerdem glaube ich an die Wiedergeburt. Ich werde bei Gott antanzen und ihm über mein bewegtes Leben erzählen. Wenn ich Glück habe, komme ich in den Himmel als Koch. Ich werde dir dann ein Zeichen senden“.

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Fotoeindrücke aus Cornwall

Ich war während der ersten heißen Hitzetage vorletztes Wochenende in Cornwall und hab gefroren. Es war luftig-frisch und regnerisch. Während der letzten Woche wurde das Wetter dann immer schöner und wärmer.

Von der Schreib- und Genussreise mit Peter Ackermann bin ich zurück, organisiert von Baumeler Reisen. Es war eine bunte Woche mit Ausflügen, schönem Essen, Schreibeinheiten, englischer tea time mit scones, einer Küstenwanderung und auch freier Zeit.

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Short storys schreiben in Cornwall. Heute am 18. Juni gehts los

Peter Ackermann wird die Schreibreise in Cornwall, nämlich ganz konkret in Lizard Point, leiten. Unser Thema: Kurzgeschichten schreiben. Es kam ein Umschlag mit Fragen zu meinen Erwartungen und was ich gerne schreibe oder lese. Der Text auf dem Umschlag groß geschrieben, „Schliesse die Augen …“ klingt doch schon mal sehr vielversprechend.

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Ein unerwarteter Vormittag auf der Au in Wädenswil

Als ich mit meinem eBike los fuhr, realisierte ich, dass die Batterie gar keinen Kontakt hatte. Sie zeigte nicht an wie schnell ich unterwegs war und das Bike zog auch nicht richtig an beim Fahren. Ich strampelte mir ganz schön einen ab bis mir die Beine weich wurden. Ich wischte über die Kontakte der Batterie, schob sie wieder auf die Halterung und nun zischte ich los mit eBike-Kraft.

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In Dessau beim Schreib-Workshop: Felix und seine Wut

Vorgestern bin ich in Dessau angekommen. Der Workshop startete abends. Ich fühle mich im Kreis der anderen Teilnehmerinnen sehr wohl, unsere Schreibtrainerin kenne ich aus früheren Frankfurter Zeiten. Alles gut also. Heute waren wir mit dem Fahrrad unterwegs vom Bauhaus zu den Meisterhäusern, zum Kornhaus und dann in einem großen Bogen auf dem Muldefahrradweg zurück nach Dessau mit kleinen Geschichten im Gepäck. Eine davon will ich euch hier vorstellen, geschrieben in einem kleinen Zimmer in einem der Meisterhäuser. Dieses Zimmer hat mir sofort gefallen und ich habe mich durch den Blick nach draußen inspirieren lassen. Ich hatte vier bzw. fünf Worte, aus denen eine Geschichte entstehen sollte. Die Epoche, die vorgegeben war: die 20er Jahre.

Felix saß in seinem kleinen Studierzimmer. Er war schon früh aufgestanden. Draußen war ein herrlicher Sommertag. Ein quadratischer Tisch in schwarzem Furnier und der Stuhl davor boten ihm seit Stunden Platz. Eine Adler Schreibmaschine stand vor ihm. Er hämmerte in blinder Wut auf die Buchstaben ein. Nur das Vogelgezwitscher und der Blick in den Garten konnten ihn an diesem Morgen trösten. Sein Auge suchte Halt im Grün. Die Pupillen weiteten sich und er atmete tief ein und aus. Ein leichter Kiefernnadelgeruch strömte in den Raum, den er tief einsog.

Seit einem halben Jahr war er Schüler von den berühmten Meistern. Wütend war er auf Anni Albers, die Meisterin, die ihm die Teilnahme in ihrer Meisterklasse verweigerte. Sie hatte seinen Wunsch, bei ihr aufgenommen zu werden, einfach abgelehnt. Sie wünschte sich nämlich mehr Frauen in ihrer Klasse und wollte den Zugang für das weibliche Geschlecht offen halten und nicht mit einer Überzahl an männlichen Studenten überfüllen. Felix Stolz war tief verletzt, denn er wollte unbedingt auch bei der bekannten Künstlerin und Lehrerin des Bauhauses studieren.

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Eindrücke aus Dessau. Schreib-Workshop und Bauhaus. Tag 1

eines der Meisterhäuser mit dem Blick ins Treppenhaus
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Der feine Unterschied: Dreikönigskuchen – Königskuchen

Christiane hat zur abc.etüde eingeladen für die Woche 16 und 17. Die Wortspende von Ludwig Zeidler dem Etüdenerfinder.

Quelle: Pixabay, Bearbeitung von Christiane

Seine Mutter wünschte sich zum Geburtstag einen Königskuchen. „Back mir einen Königskuchen bitte“. „Na wenn schon, dann einen Königinnenkuchen für Dich!“, und zwinkerte ihr zu.

Er erinnerte sich an seine erste Begegnung mit dem Schweizer „Dreikönigskuchen“. Ein ganz anderes Gebäck. Ein flacher Kranz aus 6 bis 8 Hefekugeln mit Mandelblättchen bestreut. Dieser ist kurz vorm 6. Januar überall in den Bäckereien und in den Brotabteilungen der Lebensmittelläden zu finden. Morgens beim Frühstück am 6. Januar wird dann die Person zum König bzw. zur Königin, die die weiße kleine Königsfigur im Teigstück findet. Die dazugehörige Krone aus goldener Pappe ziert das Haupt der Finderin bzw. des Finders während des sogenannten „Zmorge“. Natürlich will jeder König bzw. Königin sein.

Der klassische Königskuchen, den sich seine Mutter wünscht, schmeckt aber anders. Er wird mit Orangeat und Zitronat (mag nicht jeder) und mit zuckersüßen roten Kirschen gebacken. Ein Rührteig. Ein Napfkuchen. Er erinnerte sich sogleich an die rot geschminkten Lippen seiner Freundin. Sie hielt eine leuchtend rote Cocktailkirsche zwischen ihren weißen Zähnen. Sie liebte es, diese zu zerbeißen und mit einem Martini auf Eis zu schlürfen. Jedes mal schwärmte sie, wie lecker dies sei.

Sollten sie nicht mal wieder auf einen Apéro nach Zürich fahren. Sich mit dem Zug in die schöne Stadt bringen lassen, durch die Straßen schlendern und in diese angesagte Bar gehen. Wie war noch der Name? Leute gucken, über Gott und die Welt reden, Nüsschen knabbern, Cocktails trinken, den nächsten Urlaub planen. Wie lange hatten sie das nicht gemacht. Immer nur Arbeit Arbeit Arbeit. Akribisch waren sie da beide. Immer musste es perfekt sein.

Seine Freundin weiß sicher das Rezept für Königskuchen. Er rief sie an und lud sie zum Cocktail ein. Mal wieder von Urlaub träumen. Morgen aber erstmal den Königinnenkuchen für Muttern backen. Darauf eine Cocktailkirsche!

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