abc.etüden: Ohne Winterreifen im Schneegestöber

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Ich freue mich, dass mich Christiane eingeladen hat drei Wörter zu spenden. Diese drei Wörter gilt es nun in max. 300 Worten in einen Text zu packen. Es sind schon sehr schöne und lesenswerte Artikel von anderen Mitschreiber*innen entstanden. Klickt doch mal hin. Und hier nun meine erste Story.

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Winterreifen hätte ich aufziehen sollen“, dachte er als er sein Auto mit Sommerpneu schlingernd zum Stehen brachte. „Jetzt sitzt ich fest. Irgendwo im No-where.“ Kein Schild, kein Hinweis, keine Ortstafel. Nichts war zu sehen. Dafür Schneeflocken. So dick und so dicht dass ihm klar wurde: Hier geht heute gar nix weiter. Eines wusste er sicher: Er befand sich irgendwo zwischen Hamburg und den Schweizer Alpen. Irgendwo zwischen Basel und Bern parallel zur Autobahn. Die Autovignette für 40 Schweizer Franken wollte er nicht bezahlen. Dafür war er zu geizig. Die hätte ihm aber eine geräumte und schneefreie Autobahn beschert. 

“Hätte – hätte – Fahrradkette“, knurrte er. „Hätte ich die blöde Autovignette gekauft und mir ans Fenster geklebt, wäre ich ein ganzes Stück weiter“. In Gstaad-Saanen wurde er erwartet zur Geburtstagsfeier seines Freundes Pierre. Shit, schimpfte er. Shit, shit, shit.

Er stieg aus dem Wagen, schlitterte mit seinen dünnen Halbschuhen über die Straße, seinen Mantel mit Kapuze tief übers Gesicht gezogen und übersah den Ast, stolperte, und fiel der Länge nach in den Schnee. Weiterlesen