Buchtipp: Die Heimat der Wölfe von Raymond Unger

51dugktmskl-_sx304_bo1204203200_Während meiner Heimreise von Frankfurt an den Zürichsee habe ich das Buch von Raymond Unger fast fertig gelesen. Es liest sich wie ein Krimi: Es ist eine typisch kalte Wolfsnacht im Jahr 1924 und ein Wolf kommt auf den Hof. Dieser Anfang der Geschichte ist sehr spannend erzählt.

Dass es Raymond nicht einfach hatte in seinem Leben wird schnell klar. Seine Geschichte beginnt in Bessarabien. Jawohl. In Bessarabien. Auch noch nie gehört? Ich auch nicht. Bessarabien war früher Moldawien bzw. Teile der Ukraine und ist eine historische Landschaft (so heißt es bei Wikipedia). So wie es Raymond im Buch mit einem Augenzwinkern beschreibt – oder war es in seinem Vortrag? – fand ich es sehr amüsant. „Kommt er aus Arabien?“.
Ich habe überhaupt mehrfach laut gelacht und geschmunzelt während dem ich seine Geschichte las. Er hat interessante und lustige Redewendungen benutzt, die ich nicht in meinem Sprachgebrauch habe.

Dass Raymond Raymond heißt hat einen ganz bestimmten Grund. Könnt Ihr Euch vielleicht denken. Sein Vater steckt dahinter. Ich finde diese Stelle des Buches, die die Namensgebung erklärt sehr sympathisch bzw. seinen Vater finde ich da sympathisch, den man eigentlich sonst gerne anfauchen möchte: „Hallo. Hier spielt das Leben“. Aber er versteckt sich förmlich bei seinen Tauben im Taubenschlag mehr oder weniger fast sein ganzes Leben. So gefrustet ist er.

Gott sei Dank hat Raymond im hinteren Teil des Buches den Stammbaum aufgemalt. Es besteht nämlich die Gefahr, dass man die Personen verwechselt und nicht mehr weiß wo der Autor neu anknüpft. „Wer war noch mal Ina? Ewald? Peter? Katja? Helga?“ Und wo sind wir jetzt? In Neu Wulmstorf, Fürstenfeld oder Chicago?

Hierüber war ich manchmal überrascht und auch verwirrt: Er hüpft zwischen den Welten und den Zeiten und den Personen. Ein System oder Struktur habe ich darin nicht erkannt. Und da wären wir dann auch schon beim Kriegsenkel Raymond. Struktur gab es nämlich nicht wirklich in seiner Herkunftsfamilie. Vielleicht viel Zwanghaftes. Wenn ich weiter nachspüre denke ich, dass dieses während des Lesens aufkommende Gefühl „jetzt muss ich mich zurechtfinden oder neu orientieren“ genau das Lebensgefühl seiner Familie beschreibt. Wie oft war dies die größte Herausforderung in ihrem Leben!

Der Autor beschreibt wie er sich „ausprobiert“ als Weiterlesen