Zweitzeugin sein. Tagung der Kriegsenkel. Sonntagmorgen.

HEIMATSUCHER e.V. ist das Zweitzeugenprojekt in der deutschen Erinnerungskultur und Bildungslandschaft. Als Zweitzeug*innen tragen wir die Geschichten der Schoah für die Zeitzeug*innen weiter und erreichen damit Schüler*innen ab der 4. Klasse.

Für einen Kirchgang war letzten Sonntag keine Zeit. Ich war ja auf der Kriegsenkeltagung im Taunus. Keine Predigt der Welt hätte so gut sein können wie Vanessa Eisenhardts Vortrag an diesem Sonntagmorgen.

Da stand sie: die sympathische, junge Referentin vom Verein Heimatsucher. Ihr schwer verdauliches und berührendes Thema hat sie mit einer Leichtigkeit, mit einer Tiefe, mit einem bezaubernden Lächeln rübergebracht. Nach den ersten Sätzen habe ich geheult und nicht mehr aufgehört.

Diese junge Doktorandin, die da vor uns stand, war im Namen ihres Vereins HEIMATSUCHER in Israel und hat mit ihren Kolleg*innen Holocaustüberlebende interviewt.

Mich berührte dieses besondere zugewandte Interesse und dieses besondere Engagement junger Menschen! Vanessa Eisenhardt stellte uns „ihre“ Schoah-Überlebenden so sympathisch und nah vor. Wir waren sozusagen direkt verbunden mit Chava oder mit Israel … ihre Geschichten rührten uns an. Weiterlesen

Samstagabend. Kriegsenkeltagung. Ich fühle mich kugelrund.

Samstag spätabends dachte ich: Ich kann nicht mehr. Ich fühlte mich kugelrund nach diesem Tag. So viele Eindrücke …

Mit Katrin Himmler ging es los. Sie hat ihre Familiengeschichte aufgearbeitet und referierte zum Thema: „Weibliche Schuldverstrickung im Nationalsozialismus und im Familiengedächtnis nach 1945“. Die Männer dieser Zeit sind in aller Munde. Man kennt sie. Was ist aber mit den Frauen? Was haben sie gemacht und wie haben sie gelebt? Katrin Himmler beleuchtete dies eindrücklich am Beispiel ihrer Familie.

indexDie Frage, die sich mir stellte: wie waren die Frauen meiner Familie verstrickt? In welcher Art und Weise haben sie das Naziregime unterstützt? Durch passive Duldung, durch schweigende Befürwortung? Durch strahlende Augen?

Ich weiß es nicht, weil nicht darüber gesprochen wurde. Mir schwirrte der Kopf.

Ihr Buch habe ich im Lesegepäck: Die Brüder Himmler.

Sehr interessant und informativ war der Vortrag von Stephan Kühmayer aus Berlin, der das WASt vorstellte: Die Wehrmachtauskunftsstelle und deren Geschichte und Arbeit.

Anträge, um Auskünfte zu erhalten zu ehemaligen Soldaten, Vermissten oder Gefallenen können im Internet ausgefüllt werden. Die Bearbeitung dauert bis über ein Jahr.

Hier entlang zur Auskunftsstelle.

Ingrid Meyer-Legrand habe ich nun endlich persönlich kennengelernt. img_5364Sie stellte in einem Vortrag ihr Buch „Die Kraft der Kriegsenkel“ vor. Weiterlesen