Felix und der Knall. Teil 2

die Fensterfassadee über alle Stockwerke

Felix erschrak und hörte auf, in die Schreibmaschine einzuhämmern. Der Knall war schrill und laut. Kurz nur und verpuffte ins Nichts. Draußen hörte er eine Frauenstimme schimpfen: „Oh nein, nicht schon wieder!“ Felix rannte die Treppen runter und erkannte durch die große Fensterfassade draußen auf der Straße vor ihrem Auto stehend: Anni Albers. Für einen kurzen Moment stolperte sein Herz. Felix strich seinen Scheitel zur Seite und sein Hemd glatt. Er zog seine Hosenträger hoch und schluckte seine Nervösität hinunter. Im schnittigen Ton fragte er: „Frau Albers, was ist passiert? Kann ich Ihnen helfen?“ „Das hintere Rad, schauen Sie nur Herr Hartmann, es ist wohl ein Nagel drin. Der Reifen ist einfach zerplatzt!“ „Kein Problem, Frau Albers, ich werde das Reserverad aufziehen. Nehmen Sie eine Zigarette, bitteschön“. Er zückte sein silbernes Etui und reichte ihr die Zigaretten, gab ihr Feuer und hantierte flink am Reserverad. „Felix, Sie sind meine Rettung. Ich habe ein wichtiges Gespräch genau um zwölf mit den Meistern der Bauhausschule. Ich will ihnen nämlich die neu entworfenen Vorhangmuster meiner Webereiklasse vorstellen. Ich bin schon ganz aufgeregt“.

Anni Albers staunte mit großen Augen wie talentiert Felix mit dem Wagenheber hantierte, das kaputte Rad löste und danach das Ersatzrad aufzog. So ein netter Kerl in ihrer Frauenklasse, überlegte sie rauchend, es würde wie in einem Bienenstock summen und die Lernbereitschaft wäre vorbei. Er könnte aber sicher kleinere Defekte an den Webstühlen reparieren … sinnierte sie weiter und schenkte ihm ein vielsagendes Lächeln.

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Ein Dada-Text zum Bauhaus

Ein Resultat des Schreib-Workshops ist ein Dada-Text zum Bauhaus.

Angetan hat mir – ein Zufall – Anni Albers! Sie war die Nachfolgerin der ersten und einzigen Meisterin Gunta Stölzl. Anni Albers hat in der Weberei mit ihren Studentinnen neue Stoffe entwickelt. Sie war für die Weberei verantwortlich, in der Vorhänge, Teppiche, Tischdecken, Handtücher oder Schals gewoben wurden. Neue Muster wurden entwickelt, Farben gemischt und Stoffe gefärbt. Unsere Aufgabe war es, ein visuelles Gedicht/Text zu schreiben. Ich habe eines der Muster genommen und es für einen visuellen Text genutzt.

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In Dessau beim Schreib-Workshop: Felix und seine Wut

Vorgestern bin ich in Dessau angekommen. Der Workshop startete abends. Ich fühle mich im Kreis der anderen Teilnehmerinnen sehr wohl, unsere Schreibtrainerin kenne ich aus früheren Frankfurter Zeiten. Alles gut also. Heute waren wir mit dem Fahrrad unterwegs vom Bauhaus zu den Meisterhäusern, zum Kornhaus und dann in einem großen Bogen auf dem Muldefahrradweg zurück nach Dessau mit kleinen Geschichten im Gepäck. Eine davon will ich euch hier vorstellen, geschrieben in einem kleinen Zimmer in einem der Meisterhäuser. Dieses Zimmer hat mir sofort gefallen und ich habe mich durch den Blick nach draußen inspirieren lassen. Ich hatte vier bzw. fünf Worte, aus denen eine Geschichte entstehen sollte. Die Epoche, die vorgegeben war: die 20er Jahre.

Felix saß in seinem kleinen Studierzimmer. Er war schon früh aufgestanden. Draußen war ein herrlicher Sommertag. Ein quadratischer Tisch in schwarzem Furnier und der Stuhl davor boten ihm seit Stunden Platz. Eine Adler Schreibmaschine stand vor ihm. Er hämmerte in blinder Wut auf die Buchstaben ein. Nur das Vogelgezwitscher und der Blick in den Garten konnten ihn an diesem Morgen trösten. Sein Auge suchte Halt im Grün. Die Pupillen weiteten sich und er atmete tief ein und aus. Ein leichter Kiefernnadelgeruch strömte in den Raum, den er tief einsog.

Seit einem halben Jahr war er Schüler von den berühmten Meistern. Wütend war er auf Anni Albers, die Meisterin, die ihm die Teilnahme in ihrer Meisterklasse verweigerte. Sie hatte seinen Wunsch, bei ihr aufgenommen zu werden, einfach abgelehnt. Sie wünschte sich nämlich mehr Frauen in ihrer Klasse und wollte den Zugang für das weibliche Geschlecht offen halten und nicht mit einer Überzahl an männlichen Studenten überfüllen. Felix Stolz war tief verletzt, denn er wollte unbedingt auch bei der bekannten Künstlerin und Lehrerin des Bauhauses studieren.

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Eindrücke aus Dessau. Schreib-Workshop und Bauhaus. Tag 1

eines der Meisterhäuser mit dem Blick ins Treppenhaus
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abc.etüde: Iris und Hugo. Die zwei auf dem Ei.

Und hier nun meine Etüde zum Ei, das ich in der vorherigen „Sachetüde“ vorstellte.

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2022/05/01/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-18-19-22-wortspende-von-myriade/

Iris, die Giraffe, gähnte verschlafen. „Ah, ich muss mal meine alten Knochen strecken. Ganz steif sind sie. Hugo, mach mal Platz und lass uns das Ei drehen. Ich brauch nicht nur Platz sondern auch einen Perspektivwechsel“. Es knirschte in den Gelenken, als sich Iris räkelte und streckte. Iris war auf der einen Seite des Porzellaneis, Hugo, der Elefant, auf der anderen Seite.
„Hey, mach dich nicht so breit“, schimpfte Hugo zuerst und ergänzte: „Das trifft sich gut, Iris. Fangen wir an. Immer nur auf die Holztischplatte zu starren ist langweilig“ und betonte dies gleich lautstark trompetend.

Die beiden schaukelten nun hin und her, so dass sich das Ei langsam rollte. Iris lag nun mit dem Blick nach unten und Hugo konnte das Tageslicht erkennen. „Meine Haut könnte mal ein paar Spritzer Wasser vertragen. Ganz schön ausgetrocknet mein Pelz“, lamentierte Hugo, der es sich nun im Tageslicht gemütlich machte. „Hugo, schups mich nicht“, zickte Iris.

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Tja, von wem hab ich das Ei?

Christiane hat wieder zum Schreiben einer Kurzgeschichte im Rahmen der abc.etüden eingeladen. Die Wortspende kommt von Myriade: Giraffe, mondsüchtig, suchen.

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2022/05/01/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-18-19-22-wortspende-von-myriade/

Dieses Ei, aus Porzellan oder vielleicht Gips, fiel mir im April aus der Osterkiste entgegen. Eingehüllt in grünem Ostergras nahm ich es in die Hand. Ein Handschmeichler. Kühl. Glatt. Schön. Und die beiden Tiere, die Giraffe und der Elefant sehr schön eingezeichnet, finde ich.

Wer hat mir dieses Souvenir mitgebracht? Kommt es aus Afrika, wo mein Mann mal beruflich zu tun hatte? Das wäre schon einige Jahre her. Und solange hab ich diese bezaubernde Rarität bereits. Meine Schwester kann es nicht gewesen sein. Sie war erst kürzlich in Tansania und ist sozusagen ganz familiär gereist und war den Menschen vor Ort ganz nah. Natürlich hat sie die Big Five gesehen.

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