ABC-Fotoprojekt: F wie … Frieden

abc-2So viele Leser*innen waren schon wieder fleißig mit dem Buchstaben „F“.

Wortman hat ein Foto mit einem Feuerschlucker vorgestellt. Wo er den wohl geknipst hat?

Ich habe zwei Fotos in Sachen F wie Frieden. Einmal eine Friedenstaube. Ich nenne sie einfach so. Aufgenommen auf dem schon öfter genannten Stadtspaziergang in Offenbach im Hafenviertel. Ich finde sie einfach zum Piepen auf diesem Graffiti-Wandbild.

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In Bad Kreuznach – meiner alten Heimatstadt – war ich vor kurzem spazieren (schon öfter „blind“ dran vorbei gelaufen) und entdeckte diese Wandbemalung, die ein historisch-politisches Event unvergessen macht. Und hochaktuell ist.

Das Treffen zwischen den beiden Staatsoberhäuptern ist 60 Jahre her. Weiterlesen

abc.etüden. Nicole im Chalet

2019_0607_1_300Nicole schaute auf ihr Smartphone und spürte wie ihr Zorn in ihren Adern wallte. Seine letzten Worte „Ich, ich …“ hallten noch in ihren Ohren nach. „Ja, was „ich, ich“?“ fragte sie sich. So wie sie ihn kannte hatte er mal wieder das Ladekabel irgendwo liegen lassen. Und sie erinnerte sich an ihren Disput über seine Fahrt in die Schweiz ohne Winterreifen und ohne die Schweiz-Plakette. „Geizhals und Besserwisser“ wisperten ihre inneren Stimmen wütend. Jetzt stand er sicher irgendwo am Straßenrand und stolperte durch den Schnee. Sie hatte die Faxen dicke. Sie ärgerte sich schon seit Monaten über ihn. Ständig dieses Machtspiel zwischen ihnen. Sie sehnte sich schon lange nicht mehr nach seiner Zärtlichkeit aber sie spürte ihre Lebenslust und Neugier. Weiterlesen

abc.etüden. Schneegestöber und zartes Knistern

2019_0607_2_300Sie suchten zärtlich ihre Lippen. Tastend und forschend näherten sich ihre Zungen und spielten mit der aufregenden Situation. Ihre Sehnsucht entlud sich im verlangenden Liebesspiel. Sie flüsterten sich ihre Vornamen ins Ohr. „Lisa heiße ich“. Er hauchte „wie schön Dich kennenzulernen, ich bin Matze, eigentlich Matthias. Du bist so schön. Deine Haut ist so weich.“ Sie lachten sich glücklich an, umfassten ihre Hände, berührten ihre Fingerkuppen und spielten mit der Handinnenfläche. Und so erforschten sie Zentimeter um Zentimeter ihre Haut, zogen sich Stück für Stück aus und genossen ihre nackten Körper. Weiterlesen

abc.etüden. Draußen Schneegestöber. Drinnen knistert’s.

2019_0607_2_300.jpgSie kam zurück ins Wohnzimmer mit zwei dampfenden Teetassen. Ein betörend blumiger Duft strömte in den Raum. Sie war ganz aufgekratzt und freute sich heimlich über ihren unerwarteten Besuch. Da lag er eingerollt auf der Couch und schien zu träumen. Er murmelte immer wieder vor sich hin und grunzte dabei. Fast wäre sie über ihren Hund gestolpert. Er lag ausgestreckt vorm Kamin, in dem das Feuer heimelig knisterte. Sie atmete tief ein und aus. „Es war schon lange kein Mann mehr hier gewesen. Ich sollte ihn am besten festbinden damit er nicht so schnell wieder wegläuft“. Ihre Phantasie ging mal wieder mit ihr durch und sie kicherte fröhlich vor sich hin.

Sie erschrak heftig Weiterlesen

abc.etüden. Schneechaos ohne Winterreifen – die Rettung

2019_0607_1_300Geistesgegenwärtig drehte er sich noch einmal um und schaltete die Warnblinkanlage an. In der Ferne erkannte er hinter dem Schneeflockenvorhang ein schwaches Licht. Darauf steuerte er zu und hoffte inständig, dass jemand zuhause war. Er stolperte und schlingerte mit seinen inzwischen völlig durchweichten Kalbslederslippers auf dem schneebedeckten Asphalt. Spürte er überhaupt noch seine Arme und Füsse? Er umfasste seine nassen Finger und rieb sie kräftig. In den Schuhen bewegte er seine eiskalten Zehen. Die feuchte Kälte zog tief in seine Knochen. Nur langsam kam er voran bis er schließlich vor dem Licht stand. Es strömte aus einer Laterne, die über einem Hauseingang hing. Dieser gehörte zu einem alten aber renovierten Bauernhof so weit er das im Schneegestöber erkennen konnte.

Ein Hund kläffte. Die Krallen seiner Pfoten waren direkt hinter der Haustür zu hören: Ein sanftes Klicken auf dem Steinboden. Weiterlesen

abc.etüden: Ohne Winterreifen im Schneegestöber

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Ich freue mich, dass mich Christiane eingeladen hat drei Wörter zu spenden. Diese drei Wörter gilt es nun in max. 300 Worten in einen Text zu packen. Es sind schon sehr schöne und lesenswerte Artikel von anderen Mitschreiber*innen entstanden. Klickt doch mal hin. Und hier nun meine erste Story.

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Winterreifen hätte ich aufziehen sollen“, dachte er als er sein Auto mit Sommerpneu schlingernd zum Stehen brachte. „Jetzt sitzt ich fest. Irgendwo im No-where.“ Kein Schild, kein Hinweis, keine Ortstafel. Nichts war zu sehen. Dafür Schneeflocken. So dick und so dicht dass ihm klar wurde: Hier geht heute gar nix weiter. Eines wusste er sicher: Er befand sich irgendwo zwischen Hamburg und den Schweizer Alpen. Irgendwo zwischen Basel und Bern parallel zur Autobahn. Die Autovignette für 40 Schweizer Franken wollte er nicht bezahlen. Dafür war er zu geizig. Die hätte ihm aber eine geräumte und schneefreie Autobahn beschert. 

“Hätte – hätte – Fahrradkette“, knurrte er. „Hätte ich die blöde Autovignette gekauft und mir ans Fenster geklebt, wäre ich ein ganzes Stück weiter“. In Gstaad-Saanen wurde er erwartet zur Geburtstagsfeier seines Freundes Pierre. Shit, schimpfte er. Shit, shit, shit.

Er stieg aus dem Wagen, schlitterte mit seinen dünnen Halbschuhen über die Straße, seinen Mantel mit Kapuze tief übers Gesicht gezogen und übersah den Ast, stolperte, und fiel der Länge nach in den Schnee. Weiterlesen

abc.etüden: Marianne übernehmen Sie

2019_0405_1_300Bei Christiane im Blog ist viel los. Es werden so interessante wie unterschiedliche Geschichten in max. 300 Wörtern geschrieben. Sehr sehr lesenswert!

Die Wörter für die Textwochen 04/05 kommen aus Wien, und zwar von Myriade und ihrem Blog la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée.

Es war wie verhext: nachdem ich das Wort „übernehmen“ las, kreiste in meinem Kopf der Satz „Kobra übernehmen Sie“. Was mache ich bloß daraus? Et voilà.

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„Marianne, übernehmen Sie“ dachte sie, als sie zum allerersten Mal ihren Nachtdienst begann. Jede Nacht das gleiche Ritual auf der Station. Sie würde nun 12 Stunden Dienst schieben müssen. Wie sollte sie das nur schaffen? Am liebsten hätte sie sich sofort selbst ins Bett gelegt. Ihr fehlt Schlaf, Schlaf, Schlaf. Wie in Trance bewegt sie sich über den Flur und öffnet die Tür zur Küche. 

Sie nimmt die große weiße Salatschlüssel vom Regal, stellt sie vor sich Weiterlesen