abc.etüden.miniatur: gescheitert

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Die Abweichung im Finanzhaushalt war deutlich zu erkennen.
Was sollte er bloß machen, überlegte er verzweifelt.
Er musste Insolvenz anmelden.
Dieser Schritt war unabwendbar.
Er war mit seiner Idee gescheitert.
Seine Pupillen verengten sich als er ins grelle Sonnenlicht blickte.
Er nahm seinen Hut und seine Sonnenbrille.
Jetzt erstmal raus hier, dachte er, und einen Plan B überlegen.
Er würde es schaffen.

Bei wortgeflumselkritzelkram eben auf die Idee gekommen, eine abc.etüde in Miniaturform zu schreiben.

Die Wörter für die Textwochen 23/24 des Schreibjahres 2019 kommen von Werner Kastens und seinem Blog Mit Worten Gedanken horten.

Auf Christianes Blog versammeln sich alle Texte zu den drei gespendeten Wörtern.

Meine gestrige Etüde „Atemnot“ hier.

abc.etüden. Atemnot.

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Die Wörter für die Textwochen 23/24 des Schreibjahres 2019 kommen von Werner Kastens und seinem Blog Mit Worten Gedanken horten.

Auf Christianes Blog versammeln sich alle Texte zu den drei gespendeten Wörtern.

Sie lag ganz still. Sie spürte wie sich ihr Herz zusammenzog und ihr Brustkorb schwer wurde. Sie rang nach Atem. Die Worte ihres langjährigen Hausarztes hallten in ihren Ohren: Ihre Herzkranzgefäße sind verengt, Ihre Cholesterin- und Blutzuckerwerte alarmierend hoch. Eine Stent-Implantation ist unabwendbar. Ich empfehle Ihnen dringend einen Termin beim Spezialisten zu vereinbaren. Zögern Sie nicht zu lange. Schlimmstenfalls erleiden Sie einen Herzinfarkt.

Sie spürte Panik aufsteigen und atmete tief ein und aus um sich zu beruhigen. Sie konnte sich weiß Gott zur Zeit keine Terminabweichungen in ihrem Business erlauben. Morgen sollte sie die neue Crew aus London treffen, um das nächste Engagement klar zu machen.

Sie würde wohl eine Spur zurückschalten Weiterlesen

Im Gespräch

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geknipst auf dem Heimweg … gerade eben

Im Zug angekommen packe ich meinen Laptop aus und genieße die Ruhe. Hinter meinem Rücken nehmen zwei weitere Zuggäste Platz. Ich vermute, dass sie schwerhörig sind so laut wie sie sich miteinander unterhalten. Ich denke: ich muss mich wegsetzen. Dann überlege ich: Nee, das Leben schenkt dir die Geschichten, die du schreiben willst, wie heute morgen im Workshop gelernt. Also kannste ja ein bisschen zuhören.

Die beiden Alten unterhalten sich laut, werfen sich die Sätze hin und her. Sie sprechen SEHR laut. Abwechselnd. Mal er. Mal sie. Ich schaue nach hinten und sehe ein altes faltiges Frauengesicht. Sie guckt mich an, ich sie auch und drehe mich wieder um. Schaue ich schräg über meine Schulter sehe ich ein altes Männlein, das eine französische  graue Kappe trägt. Von der Seite erkenne ich ein faltenloses Gesicht.

Er schimpft über die Züge und die Fahrtzeiten. Sie schauen einem Zug hinterher, der gerade nach Arth-Goldau abfährt. Wir stehen immer noch in Zürich. Gleich geht’s los. Weiterlesen

abc.etüden. Auf dem Sprung.

2019_1920_2_300.jpgImmer wenn sie ihre Freundin beim Sprechen beobachtet muss sie an die grünen Katzenaugen ihres Katers denken. Tiger hat sie ihn getauft. Ihre Freundin heißt Lilli. Immer wieder ist sie irritiert und höchst beeindruckt wenn sie Lilli beim Sprechen beobachtet. Diese grünen Katzenaugen sind der Hit. Fehlt nur noch, dass sich die Pupillen senkrecht verziehen. Dann wieder gelingt es ihr, ihre Augen wie dunkelgrüne Knöpfe funkeln zu lassen.

Lilli kommt ihr immer vor als wäre sie auf dem Sprung. Sie erzählt hektisch. Immer kurze Sätze verwendend. Flüstert oft. Als lauerte große Gefahr. Und dann dieser Satz, den sie immer wiederholt: Das ist gut!

Das ist gut! Wie kurios! Sie balanciert die Wörter als lägen sie auf einem Tablett. Daneben dampft grüner Tee. Die Wörter könnten purzeln oder wegspringen, sich verbrennen. Deshalb hört sich ein Gespräch mit ihr immer wie ein Wasserfall an. Weiterlesen

abc.etüden Verdreckte Fingernägel

2019_1718_2_300Ich musste an die Fingernägel einer Bekannten denken, wenn sie Kartoffeln setzte bzw. erntete. Sie waren nie wirklich richtig sauber. Also schrieb ich gleich eine zweite Etüde für Christianes Blog. Die Wortspende diesmal von Agnes.

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Ihr Hände waren rau und braun verdreckt mit Erde. Jedes Jahr um diese Zeit setzte sie Kartoffeln und freute sich schon auf den Herbst wenn sie sie ernten konnte. Leckere Kartoffeln aus dem Garten! Ihr Kreuz tat ihr weh. Was eine Schufterei jedes Jahr. Immer wieder die gleichen Arbeiten im Frühling: Mit der Grabgabel den Boden lockern. Kompost und Mulch besorgen beim Bio-Hof. Jedes Jahr fuhr sie hin mit ihren großen Säcken und füllte sie Schaufel um Schaufel. Auch das war keine leichte Arbeit. Auch hier jaulte der Rücken, wenn sie nicht aufpasste. Bauchmuskeln anspannen und richtig bücken damit die Hexe nicht reinschießt, so ermutigte sie sich Jahr für Jahr. Im Garten wurde die frische Erde dann verteilt und der Kompost kam oben drauf. Der Gartenmulch war für die anderen Beete gedacht.

Nun stand sie im Bad und sah ihre verdreckten Hände an. Weiterlesen