abc.etüden Verdreckte Fingernägel

2019_1718_2_300Ich musste an die Fingernägel einer Bekannten denken, wenn sie Kartoffeln setzte bzw. erntete. Sie waren nie wirklich richtig sauber. Also schrieb ich gleich eine zweite Etüde für Christianes Blog. Die Wortspende diesmal von Agnes.

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Ihr Hände waren rau und braun verdreckt mit Erde. Jedes Jahr um diese Zeit setzte sie Kartoffeln und freute sich schon auf den Herbst wenn sie sie ernten konnte. Leckere Kartoffeln aus dem Garten! Ihr Kreuz tat ihr weh. Was eine Schufterei jedes Jahr. Immer wieder die gleichen Arbeiten im Frühling: Mit der Grabgabel den Boden lockern. Kompost und Mulch besorgen beim Bio-Hof. Jedes Jahr fuhr sie hin mit ihren großen Säcken und füllte sie Schaufel um Schaufel. Auch das war keine leichte Arbeit. Auch hier jaulte der Rücken, wenn sie nicht aufpasste. Bauchmuskeln anspannen und richtig bücken damit die Hexe nicht reinschießt, so ermutigte sie sich Jahr für Jahr. Im Garten wurde die frische Erde dann verteilt und der Kompost kam oben drauf. Der Gartenmulch war für die anderen Beete gedacht.

Nun stand sie im Bad und sah ihre verdreckten Hände an. Weiterlesen

abc.etüden: Kartoffeln mag ich nicht

2019_1718_1_300Kartoffeln sollte sie einkaufen. Sie fühlte sich  bevormundet als ihre Mutter bestimmte: „Heut Abend gibt es Kartoffelauflauf. Basta!“. Dabei wusste sie, dass sie keine Kartoffeln mag. Ihre Mutter liebte Kartoffeln in allen erdenklichen Macharten: Kartoffelbrei, Pommes, Brat- oder Pellkartoffeln, als Gratin oder Auflauf.“

Bekanntermaßen gehören Kartoffeln zur Familie der Nachtschattengewächse. Beide hörten erst vorgestern einen Vortrag über Hildegard von Bingens Ernährungslehre. Die Referentin war super und sprach ihr aus der Seele. Kartoffeln sollte man NICHT essen. Sie gehören zu den sogenannten „Küchengiften“. Sie jubilierte innerlich, als sie das hörte und endlich Zustimmung fand. Denn sie hatte es selbst gespürt, wenn sie Kartoffeln aß, bekam ihr das gar nicht.

Auf dem Weg zum Markt flanierte sie an Schaufenstern vorbei. Sie liebte diese Straße mit ihren bunten Eindrücken. Sie sah rosafarbene High Heels, schöne Holzlaufräder für Kids, große Vogelkäfige zierten eine Caféterrasse. Ihr mieses Gefühl verflog und sie fühlte sich zunehmend leicht und ein bisschen verliebt ins Leben. Sie lachte sich selbst im Spiegel der Schaufenster an. Sie fühlte sich beobachtet. Anzügliche Blicke trafen sie von einer Gruppe Männer in blauen Anzügen, die rauchend beim Aschenbecher Weiterlesen

Extraetüden. Eindrücke von unterwegs in die Stadt

2019_14_26482_extraetuedenChristiane verkündete Extraetüden in ihrem Blog für diese Woche. Sechs Begriffe stehen zur Verfügung für einen Text mit maximal 500 Wörtern. Ich hatte da so eine Idee :-). Und hab sogar alle 6 Wörter drin.

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Vom Dorf in die Großstadt. Wie sie diese Tage liebte. Es war wie in eine andere Welt eintauchen. In eine lebendige und fröhliche. Im Bahnhof ankommend schaute sie  aufmerksam. All die Menschen, die von A nach B gingen. Die Treppe runter oder die Rolltreppe rauf. Hier jetzt in diesen Zug einsteigen, tagträumte sie, nach Wien und weiter nach Budapest reisen.

Sie aber hatte heute ein Ziel. Ihr Lieblingscafé. Dort würde heut der Kreative Schreibworkshop ausfallen. Sie hatte sich dennoch ihr Notizbuch und ihren Laptop eingepackt und ist los. Mal wieder raus aus dem Dorf. Manchmal ging ihr diese Stille auf den Keks, die sie so liebte. Putzen, Gartenarbeit, aufräumen … Wäsche waschen. Ja klar. Aber diese Stadttage brachten sie zurück ins Leben. Das brauchte sie. War Wäschewaschen nicht auch leben? Mit tausend Gedanken ist sie wach geworden. Mit einem Lächeln dachte sie ans Bogenschiessen das sie neu für sich entdeckt hat. Sich auf einen Punkt konzentrieren. Gerade und gespannte Körperhaltung einnehmen, das Ziel anvisieren und den Pfeil los lassen. Toll. Passt gut um noch wesentlicher zu werden, dachte sie.

IMG_1583Schon auf dem Weg ins Café hätte sie zu allem was sie rechts und links von sich entdeckte eine Kurzgeschichte schreiben können. Dachte sie oft, wenn sie durch die Stadt schlenderte: Eigentlich müsste ich sofort los schreiben. Sie knipste häufig beim Vorbeigehen, das was sie eindrücklich fand. Für später. Wenn sie drüber schreiben würde. Sie las die Headlines auf den Plakaten. Geschichten bahnten sich in ihrem Kopf. Gott sei Dank regnete es nicht wie in der WetterApp angekündigt. Nieselregen, Starkregen, Landregen mochte sie nicht. Auch wenn die Natur danach dürstete. Heute fühlte sie sich leicht. Der Frühlingswind, der ihr Gesicht streifte ließ Schmetterlinge fliegen in ihrem Bauch und in ihrem Herzen.

Straßenarbeiter schnitten mit einer Säge die Straße auf. Ein ohrenbetäubender Lärm. Sie hielt sich die Ohren zu. Im Vorbeigehen las sie: „Kosmos Politics“. „How to make braids“. „Yoga Kurse bei Iola studio“. „Afternoontea“. „Urban Gardening Workshops“. Gerade letzteres wäre vielleicht was für sie. Weiterlesen

abc.etüden. Kläffende Hunde beißen doch

2019_1213_1_300Christianes abc.etüden sind immer wieder inspirierend. Die Wörter für die Textwochen 12/13 des Schreibjahres 2019 kommen von Rina und ihrem Blog Geschichtszauberei.

Sie fuhr das erste Mal mit dem Leihfahrrad auf unbekannten Wegen. Ihr Navi hatte sie eingepackt. Für den Fall der Fälle. Immer wenn sie das rechte Pedal nach unten trat hörte sie ein metallisches Klicken, was sie ein wenig nervte.

Karge frühlingsgrüne Landschaft erfreute ihr Auge. Farbtupfer von gelben Blüten sprengten das harmonische Bild. Sie genoss die Weite und sog tief die würzige Luft ein. Die Sonne schien von einem blauen und glasklaren Himmel. Sie fühlte sich frei und spürte den kühlen Wind an ihrem Gesicht. Sie hörte in der Ferne wütendes Hundegebell und wurde unruhig. Beruhige dich, dachte sie, kläffende Hunde beißen nicht.

Sie näherte sich dem Gebell und erkannte einen Zaun, der sie vor einem Rudel aufgeregter Hunde schützte. Eines der Tiere scharrte wild am Boden. Flugs schlüpfte es unter dem Zaungeflecht hindurch und jagte knurrend Weiterlesen