Buchtipp: Yona von Nastasja Penzar

Das Literaturhaus Frankfurt veranstaltete einen Abend mit drei Erstautor*innen unter dem Titel: „Drei aufregende Debüts“. Wenn ich mich recht erinnere: Alle drei haben Preise gewonnen. Alle drei fand ich ausgesprochen gut und lesenswert. Heute beginne ich mit Yona von Nastasja Penzar.

Ich habe schon lange kein so atemloses, an den Nerven zerrendes Buch gelesen.

Zwei Erzählstränge laufen parallel.

Es beginnt mit Yonas Ankunft in Guatemala … ist das was sie schreibt real, das fragte ich mich manchmal oder ist alles verschleiert durch die Schwüle wie in einem Traum? Ist sie in dem einen Erzählstrang mit ihrem Vater brav, ruhig, eher vorsichtig, leise … so passiert in diesem südamerikanischen Land, das sie besuchen SOLL, so viel so geballt. Die Autorin schreibt in kurzen Sätzen, ich werde fast atemlos, und ich bin neugierig, weil es durch die kurzen Sätze so spannend aufgebaut ist, den sie immer wieder unterbricht. Und mit dem letzten Wort oder Satz webt sich die Geschichte weiter …

im „Vater-Erzählstrang“ … Sätze und Bilder nehmen den Faden auf und entführen uns in die Welt mit ihrem Vater. Der Vater ist unheilbar krank und sein Lebensende naht. Er muss ihr unbedingt noch etwas auf den Weg geben. Etwas erzählen. Sie soll nämlich etwas in Guatemala finden. Das hat mit ihrer Mutter zu tun. Sie ist nicht mehr da. Was ist mir ihr passiert? Diese Vater-Tochter-Beziehung macht uns immer wieder neugierig auf die Geschehnisse in Guatemala. Hinter jedem Satz, den die Autorin hier mit Yona verbringt, verbirgt sich ein neues Geschehen, eine andere Person taucht auf … deshalb macht es neugierig immer weiter zu lesen. Und Yona geht körperlich an ihre Grenzen und ich frage mich, warum tut sie das.

In der Gegenwart läuft also das Suchen nach dem „Ort“ in Guatemala … die Zeit mit dem Vater gehört zur Vergangenheit.

Als mir klar wurde, dass im allerletzten Kapitel „erst“ das Finale, nämlich die Suche ein Ende hat und die Wahrheit ans Licht kommt, war ich enttäuscht … ich dachte oder wünschte mir insgeheim, da würde viel mehr sein, wenn sie gefunden hat, was sie suchte …. aber sie findet und hört die Wahrheit und der Roman endet. (Bietet Stoff für ein zweites Buch ;-). )

Die Gestaltung des Buchumschlags ist wunderschön bunt … mit vielen verschiedenen Figuren, Symbolen aus Südamerika. Vielleicht soll es neugierig machen auf das Bunte, was wir erfahren und erleben werden: die Menschen, die Armut, die Gewalt, der Vulkan, ein vergifteter See, ein Liebhaber … die Hitze, die Schwüle, „der Ton“ in ihrem Kopf. Aber auch die Gewalt gegen ihren eigenen Körper. Doña, ihre Tante.

Auch den Tod treffen wir an, den wir zweimal eindrücklich erfahren.
Es ist düster, Yona ist erstarrt, Menschen kommen und gehen …

„Ameisen“ sind in diesem Roman wichtig.

Nastasja Penzars Erstlingswerk! Ich finde ihren Roman sehr gelungen und wünsche ihr: weiter so. Sie schreibt kurze Sätze. Lange Sätze versieht sie mit Nebensätzen und Kommas. Manchmal nur ein Wort. Deshalb ist ihr Text einerseits im Fluss andererseits durch viele verschiedene Perspektiven manchmal undurchdringbar. Vielleicht wie die Schwüle … oder das Ungewisse, das um die Ecke lauert. Seien Sie gespannt!

Wer sich auf eine ganz besondere Stimmung einlassen mag:
unbedingt lesen!

https://www.matthes-seitz-berlin.de/buch/yona.html
208 Seiten, Hardcover gebunden, Preis: 22,00 €

ISBN: 978-3-95757-958-4
Verlag: Matthes & Seitz Berlin
Veröffentlicht: 2021

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