Mein Bücherregal eine Schatzgrube und ich eine Schatzsucherin?

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in Ravensburg geknipst

Mitten beim Bücher ausmisten entdeckte ich einen Artikel in der NZZ vom 10. Dezember. Also vor drei Tagen. Geschrieben von Alain Claude Sulzer.

Die Überschrift: „Hier sinkt nur noch Staub nieder. Darunter: Das Bücherregal könnte eine Schatzgrube sein. Aber es fehlt ihr ein neugieriger Schatzsucher“.

Ich hatte sicher gerade so an die 30 Bücher in eine große Tüte gepackt. Aus meinen Regalen herausgepickt und als „gelesen abgestempelt“ und nun als wertvoll genug befunden, um in ein öffentliches Bücherregal gestellt zu werden. In Frankfurt kenne ich die Ecken, wo sie stehen und auf neue Bücher warten. Auch im Kurpark von Bad Kreuznach steht solch ein öffentlicher Schrank oder am Bahnhof Rheinfelden an Gleis 3 und 4. 

Einige ausrangierte Bücher wollte ich in das Bücherregal unseres neuen Bio-Ladens in Richterswil stellen und packte sie vom Rucksack in eine Tüte. Und da stand ich nun in unserem Hausflur und hielt die Bücher in der Hand. Fast neu, wie ungelesen aussehend fühlte ich die Bücher in meiner Hand und las die Titel und dachte, kann mich gar nicht erinnern, dass ich diese Werke gelesen habe. Vier Bücher wählte ich aus und dachte: sollte ich doch noch mal lesen oder weiter schenken!

Von Barbara Honigmann: Chronik meiner Strasse. Der erste Satz im Buch: Wenn wir sagen, dass wir in der „Rue Edel“ wohnen antwortet man uns meistens, ach ja, da haben wir am Anfang auch gewohnt.

Ich kann gut weggeben oder aussortieren. Ich habe Bücher nie zweimal gelesen. So manche Exemplare hüten die Regale seit vielen Jahren. Aber ich würde sie gerne weitergeben. Eine Trilogiesammlung „Früherer Schriften“ von Antoine de Saint Exupéry oder von Schulz von Thun über „Miteinander reden 1-3“ stehen schon ewig bei mir. Und natürlich verstauben sie auch ein wenig, weil ich dann doch nie reinschaue. 

Von Friedrich Dürrenmatt: Das Versprechen. Der erste Satz im Buch: Im März dieses Jahres hatte ich vor der Andreas – Dahinden-Gesellschaft in Chur über die Kunst, Kriminalromane zu schreiben, einen Vortrag zu halten. (begann ich gestern im Zug zu lesen 🙂 … mein ICE kam aus Chur in Zürich an)

Seit einigen Jahren neu in meinem Bücherregal gibt es eine Reihe Bücher, die sich mit dem Tod und dem Sterben beschäftigen. Allen voran das Buch von Claudia Cardinal: Wir sehen uns. Meine Coachingbücher habe ich zwischenzeitlich fast alle verschenkt. Genauso alle möglichen Lebensratgeber. Jetzt bräuchte es vielleicht Bücher für die neue Lebensphase 60*plus?

Von Barbara Honigmann: Eine Liebe aus nichts. Erster Satz: So, wie er es in einem hinterlassenen Brief – nicht etwa einem Testament, nur einem Brief, ein paar Zeilen auf einem karierten Zettel – gewünscht hat, ist mein Vater auf dem jüdischen Friedhof von Weimar nach den Vorschriften begraben worden.

Sehr viele Bücher, die mich interessieren leihe ich mir seit Jahren aus der Gemeindebibliothek Richterswil. So war ich neugierig auf Matthias Brandts Buch: Blackbird. Ich bin noch etwas skeptisch ob ich die jugendliche Sprache, die er nutzt, mag. Es liegt grad wieder auf der Seite. Manche Exemplare habe ich gekauft, weil ich es sofort lesen wollte, so wie das Erstlingswerk von Ocean Vuong: Auf Erden sind wir kurz grandios. Es hat mir sehr gut gefallen – will noch drüber bloggen. Manchmal nehme ich mir auch Bücher mit aus den Bibliotheken von Hotels, wo Gäste ihre Bücher lassen, wenn sie sie ausgelesen haben. Verstaubt sind diese Bücherregale in der Regel nie. Eher wild durcheinander gewürfelt. Zur Zeit lese ich im Frankfurter Lieblingshotel aus der Hotelbibliothek: Der Wilde von Guillermo Arriaga.

Von Michaela Murgia: Accabadora. Der erste Satz im Buch: Fillus de anima, Kinder des Herzens. So nennt man die Kinder, die zweimal geboren werden, aus der Armut einer Frau und der Unfruchtbarkeit einer anderen.

Zurückkommend auf die Überschrift des Artikels mitten in meinem Prozess des Bücheraufräumens und -ausmistens: „Das Bücherregal könnte eine Schatzgrube sein. Aber es fehlt ihr ein neugieriger Schatzsucher“. Es hat mich zum Nachdenken gebracht. Meine Bücher suche ich nur durch, wenn ich sie ausmisten will. Oder entrümpeln will um Platz zu machen für neue Bücher. Eine Schatzsucherin bin ich eher nicht. Und finde es ein bisschen schade. Dabei habe ich sicher auch einige Schätze: Bücher, die ich nicht hergeben will und dennoch nicht noch einmal lesen mag. Beispielsweise das Buch von Angelika Overath: Alle Farben des Schnees. Sie beschreibt in ihrem Buch den Umzug aus Deutschland in die Schweiz, nämlich in den kleinen Ort Sent im Unterengadin. Ich habe sie in Frankfurt während einer Lesung kurz kennengelernt und sie dann später im Engadin besucht. Das bleibt unvergessen …. Ihr Buch ist ein Schatz in meinem Bücherregal.

Ich hätte da aber auch den Zauberberg von Thomas Mann. Interressant, dass auch dieses Buch von der Schweiz handelt. Davos. Unweit von uns. Wir fahren in 1,5 Stunden mit dem Zug hin. Und je nach Stimmung schmökere ich in diesem Buch, das ich nie zu Ende gelesen habe … könnte ich doch Ende des Jahres mal tun, wenn ich wieder in der Schweiz zurück bin? Bin doch eine Schatzsucherin? 🙂

Und Du so?

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