abc.etüden. Schneegestöber und zartes Knistern

2019_0607_2_300Sie suchten zärtlich ihre Lippen. Tastend und forschend näherten sich ihre Zungen und spielten mit der aufregenden Situation. Ihre Sehnsucht entlud sich im verlangenden Liebesspiel. Sie flüsterten sich ihre Vornamen ins Ohr. „Lisa heiße ich“. Er hauchte „wie schön Dich kennenzulernen, ich bin Matze, eigentlich Matthias. Du bist so schön. Deine Haut ist so weich.“ Sie lachten sich glücklich an, umfassten ihre Hände, berührten ihre Fingerkuppen und spielten mit der Handinnenfläche. Und so erforschten sie Zentimeter um Zentimeter ihre Haut, zogen sich Stück für Stück aus und genossen ihre nackten Körper. Sie schauten sich an, lachten miteinander, konnten es nicht fassen, ihre blitzenden Augen versanken im jeweils anderen, sie fühlten sich vertraut in ihrer Intimität. Sie erregten sich sanft, leckten und schleckten sich gegenseitig und in pulsierenden Wellen vergassen sie das Hier und Jetzt und ergaben sich ihrer Lust und flogen miteinander in verströmenden Weiten davon. Nach ihrem Höhepunkt streichelten sie sich sanft und fielen in zufriedenen Schlaf.

Die Haustürglocke klingelte sie schroff aus ihren Träumen. Der Hund schlug an und lief aufgeregt zur Tür. Lisa schaute Matze fragend an und stand auf, hüllte sich in eine Wolldecke und stolperte barfuß zur Haustür, die sie vorsichtig öffnete. Schneeflocken stoben ihr ins Gesicht. Draußen standen zwei Männer. Wieviel Uhr mochte es jetzt sein? Eins? Zwei?

„Grüezi, Kantonspolizei Bern. Frau Huber? Wir wollten hören ob alles in Ordnung ist bei Ihnen. Etwa einen Kilometer entfernt steht ein Wagen ohne Winterreifen mit Warnblinkanlage. Die Schneespuren verlieren sich hier am Hof. Hat jemand geklingelt und nach Hilfe gefragt?“

Derweil war in Gstaad-Saanen fröhliche Partystimmung. Pierre hatte seine besten Freunde aus aller Welt eingeladen. Die Stimmung war gut. Sein Lieblingswinzer kredenzte soeben einen herrlich nach Aprikose schmeckenden Dessertwein. Davor servierte er Raclette vom würzigen Walliser Bio-Alpkäse.

„Wo war eigentlich Nicole?“ fragte sich Pierre eifersüchtig.

300 Wörter

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Teil 4 zu Christianes abc.etüden und meinen gespendeten Wörtern.

Hier entlang zu Teil 3, der zu den ersten beiden Geschichten führt. Für mich ist es selbst interessant wie sich eine Geschichte fortsetzen kann. Es ist immer eine Frage der Entscheidung in welche Richtung man weiter schreibt. Wird es dramatisch oder erotisch,  mörderisch oder gespenstisch? Es ist weiter alles möglich :-).

Und fast hätte ich vergessen die vorgegebenen drei Wörter zu verwurschten.

Schönen Samstag.

 

10 Gedanken zu „abc.etüden. Schneegestöber und zartes Knistern

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