Lotte Laserstein: Ausstellung im Städel Frankfurt

IMG_1088Es gibt so Momente …

Gestern informierte ich mich in der Zeitung darüber was so los ist in Frankfurt zwischen den Jahren. Kino, Theater, Museen … und entdeckte Lotte Lasersteins Ausstellung im Städel. Es zog mich regelrecht. Der Untertitel der Ausstellung heißt: Von Angesicht zu Angesicht. Auf der Website entdeckte ich das Leitfoto der Ausstellung, das ich vorhin an der Außenfassade des Städel fotografierte, als ich das Museum verließ.

Ein sehnsüchtiger Blick. Ein roter Kirschmund. Ich klemmte mir den Audioguide auf die Ohren und hörte die tolle Stimme von Meret Becker, die durch die Ausstellung „führte“.

Allein das ist schon bemerkenswert: Die Malerin Lotte wurde 94 Jahre alt! 1898 geboren und 1993 gestorben. Was mich wohl noch zu ihr zog und faszinierte? Sie ist in der Zeit groß geworden als meine Oma väterlicherseits aufwuchs. Ich habe sie nie kennengelernt weil sie so früh und jung gestorben ist. Sehnsucht ist ein Gefühl, das sich in meiner Familie häufig einstellte und spürbar war.

Die Künstlerin hat also den 1. Weltkrieg als Kind miterlebt und im zweiten Weltkrieg wurde ihre Kunst ziemlich schnell als „entartete Kunst“ definiert, weil sie als Jüdin abgestempelt wurde, weil die Linie ihrer Großeltern jüdisch war. Sie hatte die Chance nach Schweden auszuwandern wo sie auch blieb. Für sie gab es kein Zurück nach Deutschland, weil es zu viele Unterschiede gäbe zwischen sich und den anderen Menschen, wegen der veränderten Zeiten, den Geschehnissen.

Ihre Mutter starb im KZ … ihr Schwester überlebte traumatisiert und lebte nach dem Krieg ebenfalls in Schweden.

Großartig finde ich vor allem auch dies: mit 89! – neunundachtzig – Jahren hatte sie ein Comeback ihrer Kunst und wurde in London gefeiert. Außerdem war sie eine sehr selbständige Frau, die allein lebte und beispielsweise ohne Scheu allein in ein Restaurant ging um dort zu speisen. Während der Weimarer Republik gehörte sie zu einer neuen „Generation“ des Frau-seins (das Frauenwahlrecht galt seit 1918) …während der Nazi-Zeit waren diese „modernen Frauen“ nicht erwünscht.

Das Leben der Künstlerin kannst du hier bei Wikipedia nachlesen.

Die Ausstellung ist noch bis März zu sehen; ich empfehle sie sehr.

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