Blaue Flecken garantiert. #Selbstverteidigung ausprobiert

image2Letzten Samstag war ich von 10 bis 18 Uhr im Basiskurs für Selbstverteidigung im KRAV Maga Center Frankfurt bzw. Offenbach.

Vor einigen Monaten las ich ein interessantes Interview bzw. Artikel über Beate Bechmann, die zusammen mit ihrem Mann, das Center leitet.

Das wollte ich mal ausprobieren, so einen Selbstverteidigungskurs. Der erste und letzte liegt sicher 25 Jahre zurück. Gesagt, getan: ich hab mich zum Basiskurs angemeldet. Max. 30 Teilnehmer*innen konnten sich anmelden. Mit der Anmeldebestätigung erhielt ich einige Informationen zum Training: „bitte lange Hose, Shirts mit Ärmel, wer hat kommt mit Hallenschuhen oder diversen Körperschonern, Piercings bitte abkleben“. Das angehängte PDF sollte ich unterschrieben mitbringen: Hierin erklärte ich mich damit einverstanden, dass ich allein verantwortlich bin für meine Gesundheit und das Center keine Haftung übernimmt bei Verletzungen. Außerdem sollten Fingernägel kurz sein, damit man seinen Trainingspartner nicht verletzt und überhaupt stand da übersetzt, ich übertreibe jetzt stark: „wir hoffen, dass Sie am Abend nach dem Training immer noch gesund sind“.

Oh!

Ok. Ich hab hin und her überlegt … dachte mir, mein Körper ist zwar sportlich fit, aber doch zart besaitet. Kneifen wollte ich. Hab mich mit einer Freundin beraten: „ich geh besser auf eine Wanderung und genieße den sonnigen Tag“. Mein Mann empfehl mir abzusagen. Der Süße!

Nein, ich war nicht beim Wandern. Mutig bin ich in die „Höhle des Löwen bzw. der Löwin“. Ich erbat mir, dass ich „Nein sagen möchte“ und erlebte, dass das nicht so gut ankam. Ich überlegt mir: Mich wird ja auch niemand fragen, ob ich jetzt damit einverstanden bin überfallen zu werden oder Schlimmeres.

„Ok, Leute, dies ist kein Samstagspaziergang. Ihr geht heut Abend mit blauen Flecken heim“. So wurden wir begrüßt.

Fluchtgedanken!!!

Und los ging’s mit dem Aufwärmen. Schon lange nicht mehr so schnell außer Atem gewesen, aber ich habe mitgehalten! 😉 Dann eine sehr interessante Übung: alle 28 Teilnehmer*innen sollten über den gleichen Punkt laufen um auf die andere Seite zu gelangen. Wie konnte ich nur so bescheuert sein und glauben, dass ich das schaffe. Mir hat in dieser Übung jemand so heftig in die Rippen gestoßen, dass mir schier der Atem weg blieb.

Stellt Euch vor, in einer Disko oder Kneipe oder Restaurant bricht Panik aus und alle wollen zum gleichen Ausgang: nix wie weg hier. Alle rennen drauf zu. Dafür braucht es Power und Ellbogen, ich sag es Euch! Ich würde mal sagen an diesem Punkt muss ich noch weiter trainieren: mental und körperlich, dass ich es auch durch die Tür schaffe! :-), ohne gestoßen zu werden oder auf dem Boden zu landen oder zu warten bis alle durch sind.

Ich habe den ganzen Tag weiter trainiert und hatte gleich bei der nächsten Übung DEN blauen Fleck durch eine Abwehrübung. Es entwickelte sich durch den Bluterguß ein mittelgroßer Hügel an meinem Unterarm. Jetzt ist diese Stelle dunkelbraun.

Uff.

image1Den ganzen Tag trainierten wir verschiedenste Angriffe zu parieren oder aus ihnen heraus zu kommen. Wir schützten uns mit diesen Pratzen, die wir vor uns hielten. Der eine schlug oder trat, der andere hielt die Pratze vor sich, denn es braucht ja eine Angriffsfläche wo der Schlag oder Tritt treffen soll.

Es kann gelingen! Es gibt Techniken und Möglichkeiten aus einer prekären bzw. gefährlichen Situation herauszukommen. Das ist was ich wissen wollte. Ich wurde in den Schwitzkasten genommen, gewürgt von vorne oder von hinten, angedeutet geohrfeigt, mit dem Messer (aus Plastik) bedroht bzw. angegriffen.

Es braucht Training, Überraschungsmomente, Kraft und Übung. Der erste Schlag ins Gesicht, in die Augen oder in die Eier (wenn es ein männlicher Angreifer ist) sollte sitzen. Damit man wegrennen kann.

Es waren einige Mütter mit ihren jungen Töchtern (ab 16 aufwärts) da. Es waren junge Männer und Männer um die 40 und etwas älter dabei. Es waren einige wenige Frauen in meinem Alter dabei.

Ich empfehle das Training um ein Gefühl zu bekommen, was es für Möglichkeiten gibt aus gefährlichen Situationen herauszukommen. Mit dem einen Tag ist es aber nicht getan. Die Technik muss wie beim Autofahren geübt werden. Beate Bechmann und ihr Co-Trainer waren burschikos-freundlich, fordernd … kein Zuckerschlecken für zarte Seelen. Wir erhielten eine Abschlussurkunde. Die berechtigt uns zum wöchentlichen Weitertrainieren. „Nie in die Opferrolle rein schlüpfen“, wurden wir motiviert. „Es gibt immer eine Chance“.

Abends im Bett überlegte ich, wie war das wenn jemand auf meinem Bauch hockt und mich würgt, was war da noch mal zu tun?

Was eine Erfahrung! Ich bereue es nicht, dabei gewesen zu sein. Ich bin froh dass ich nicht gekniffen habe, trotz der sehr schmerzhaften Prellung und dem hässlich-braunen Fleck am Unterarm.

Was KRAV Maga genau ist und wer es gegründet hat, lest Ihr hier ausführlich. Gibt es übrigens weltweit, auch in Zürich, wo ich andere Kurse besuchen will. Ich wollte zum Beispiel schon immer schießen lernen, zumindest ausprobieren.

So. Jetzt gehe ich meine Prellung pflegen, am besten nicht husten … und der blaue Fleck wird wieder verschwinden. Heile, heile, Gänschen.

3 Gedanken zu „Blaue Flecken garantiert. #Selbstverteidigung ausprobiert

  1. Krav Maga ist eine durchaus effektive Art der Selbstverteidigung. Man (Frau) braucht nur wenige Techniken, die richtig angewandt, Leben retten können. Leider legen viele Vereine den Fokus zu sehr auf den körperlichen Aspekt. Selbstverteidigung fängt primär im Kopf an und Deeskalation sollte immer an erster Stelle stehen. Für den Fall, dass du tieferes Interesse an Selbstverteidigung hast, das von Frauen für Frauen geschaffene Wendo könnte interessant für dich sein.

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