Samstagabend. Kriegsenkeltagung. Ich fühle mich kugelrund.

Samstag spätabends dachte ich: Ich kann nicht mehr. Ich fühlte mich kugelrund nach diesem Tag. So viele Eindrücke …

Mit Katrin Himmler ging es los. Sie hat ihre Familiengeschichte aufgearbeitet und referierte zum Thema: „Weibliche Schuldverstrickung im Nationalsozialismus und im Familiengedächtnis nach 1945“. Die Männer dieser Zeit sind in aller Munde. Man kennt sie. Was ist aber mit den Frauen? Was haben sie gemacht und wie haben sie gelebt? Katrin Himmler beleuchtete dies eindrücklich am Beispiel ihrer Familie.

indexDie Frage, die sich mir stellte: wie waren die Frauen meiner Familie verstrickt? In welcher Art und Weise haben sie das Naziregime unterstützt? Durch passive Duldung, durch schweigende Befürwortung? Durch strahlende Augen?

Ich weiß es nicht, weil nicht darüber gesprochen wurde. Mir schwirrte der Kopf.

Ihr Buch habe ich im Lesegepäck: Die Brüder Himmler.

Sehr interessant und informativ war der Vortrag von Stephan Kühmayer aus Berlin, der das WASt vorstellte: Die Wehrmachtauskunftsstelle und deren Geschichte und Arbeit.

Anträge, um Auskünfte zu erhalten zu ehemaligen Soldaten, Vermissten oder Gefallenen können im Internet ausgefüllt werden. Die Bearbeitung dauert bis über ein Jahr.

Hier entlang zur Auskunftsstelle.

Ingrid Meyer-Legrand habe ich nun endlich persönlich kennengelernt. img_5364Sie stellte in einem Vortrag ihr Buch „Die Kraft der Kriegsenkel“ vor. Ihr Buch habe ich ausführlich vor einiger Zeit besprochen. Ich werde wohl noch einmal mit dem Stichwort „Parentifizierung“ zurückkommen. Dieses Wort wurde immer wieder genannt und erklärt so manches Leid, das die Kriegsenkel erfahren haben.

Lest hier meine Buchbesprechung.

Dann folgte ein Vortrag mit dem Künstler Raymond Unger. Unglaublich seine Lebensgeschichte und seine analytischen Fähigkeiten. Ich hätte ihm stundenlang zuhören können. Er erzählte ausgesprochen spannend und inspirierend. Sein Leben ist an Grenzen gestoßen, weil er sich dem auch ausgeliefert hat. Ein Beuys-Zitat hat das wunderbar ausgedrückt, ich hab leider nicht notiert.

Ich bin beeindruckt von seiner Malerei. Er hat es in die Kunstszene geschafft. Er ist ein gefragter und bekannter Künstler. Auf seiner Website kann man einige seiner Werke bestaunen, die von Gewalt, Aggression und Sexualität handeln.

51dugktmskl-_sx304_bo1204203200_Sein Buch „Die Heimat der Wölfe“ liest sich wie ein Kriminalroman. Ich wollte nur mal kurz reingelesen und bin sofort im Bann gewesen: in der eiskalten Wolfsnacht waren die Wölfe ganz nah und …. er hockte als kleiner Junge unter dem Tisch und hörte die Geschichten der Großeltern immer wieder. Ich werde sein Buch noch separat vorstellen.

Seine Website mit allen Informationen: http://www.raymond-unger.de/

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Der kleine Sebastian. heinzelfilm.de/der-krieg-in-uns

Nach dem Abendessen hörten wir Sebastian Heinzel, einen ausgesprochen jungen sympathischen Kriegsenkel, der einen Film drehen wird über seine Geschichte: „Der Krieg in mir“. Er hat seine beiden Großväter und seinen Vater vorgestellt. Auf eine fast „schelmische“ Art hat er dies vorgetragen und Ausschnitte zum Film gezeigt bzw. Rechercheschnipsel dazu. Sein Film wird Anfang 2018 erscheinen. Ich bin sehr gespannt. Gänsehaut garantiert! Man kann sich in einen Newsletter eintragen und wird über die Entwicklung des Films informiert werden. Ein Schweizer Kamerateam wird ihn begleiten auf die Kriegsroute seines Opas. Nicht zu fassen! Die Schweizer! 😉

Hier entlang zu seiner Website und zu seinem Film: Der Krieg in uns.

*****

Als ich dies alles zusammenfasste war es etwa 23 Uhr am Samstagabend. Alle Referent*innen waren unglaublich authentisch und deshalb so sympathisch. Parallel zu all den Geschichten und Erzählungen lief natürlich mein eigener Film und Lebensgeschichte ab und die Frage. Werde ich die Kriegserfahrungen meines Vaters und meiner Opas aufdecken? Auf jeden Fall werde ich für meine Neffen und meine Nichte die Geschichte aufschreiben.

Und nicht zu vergessen der Austausch am Nachmittag in der großen Runde und all die Gespräche in den Pausen und während der Mahlzeiten.

Samstagspätabends konnte ich nicht mehr. Ich war KO.

Dies war der Grobausschnitt und die Zusammenfassung vom Samstag. Die Bücher werde ich nach dem Lesen oder auch vorher schon vorstellen ….

6 Gedanken zu „Samstagabend. Kriegsenkeltagung. Ich fühle mich kugelrund.

  1. Danke, liebe Petra, für Deine Eindrücke während der „Kriegsenkel-Tagung“. Beim Lesen konnte ich bereits die Energie spüren, die Webseiten und das Video des Schnürprojekts taten ein Übriges, auch mir die Geschichte der Frauen dieser Kriegsgenerationen (also meine Uroma, Oma und Mutter) wieder vor Augen zu führen. Wir waren immer ein reiner „Frauenhaushalt“ und nie hat eine von ihnen ein Wort über ihre Erlebnisse und das Leben zu dieser Zeit und danach erzählt.

    Ganz herzliche Grüße
    Elvira

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Elvira, ja klar schreibe ich drüber, gerne geschehen.

      Das mit dem Frauenhaushalt kenne ich auch zur Genüge. 3 Mädels waren wir, meine Mutter, meine Oma … ich komme gerade von meiner Mutter und habe sie weiter über ihre Kindheit und Kriegszeit ausgefragt … es wurde nie „danach“ darüber gesprochen. Allerdings fällt ihr das eine oder andere ein: Ich hab wieder ein kleines Puzzleteil zu meinem Uropa im Gepäck. Die kleinen Schätze, die ich da zusammentrage, machen mich glücklich und sind wichtig und kommen in die Geschichte, die ich aufschreiben will.

      Wie schön von Dir zu lesen!
      Herzlich. Petra

      Gefällt mir

  2. Pingback: Auskunft der WASt über meine beiden Großväter - Iromeisters Abenteuerreise

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