Fast wie „bei Facebook sein“ – vor 250 Jahren

img_5259Vollbracht. Ich war dabei beim Projektchor anlässlich des 250. Jubiläumsgottesdienstes in Wädenswil. Letzten Sonntag. Schön haben wir uns gemacht. Langer Rock. Bluse. Tuch über die Schultern.

Um bei Facebook zu sein muss man sich zwar nicht schön machen aber man muss sich einloggen, einen Platz einnehmen und legt los: schreiben, lesen, kommentieren, zetern und zitieren.

Vor 250 Jahren à la Facebook: Jeder Haushalt musste sich einen Platz in der Kirche kaufen. Einer aus der Familie musste sonntags da sein, Platz nehmen und zuhören. Denn hier wurden sonntags die neuesten Nachrichten kundgetan:scaledimage-php

Der Pfarrer predigte von der Kanzel was das Zeug hielt und der Stadtrat verlas die neuesten Erlasse: in Zürich wurden neue Gesetze beschlossen, img_5265neue Steuern wurden erhoben, die Familie aus einem abgebrannten Bauernhof braucht Unterstützung … undsofort.

All diese Informationen wurde in den Familien und Häusern weitererzählt. Jeder war auf dem neuesten Wissensstand im Ort.

Eine Art Shitstorm gab es früher auch schon: Der Pfarrer rief diejenigen zu sich, die etwas verbrochen hatten und alle hörten mit: Da hat der eine Milch mit Wasser verdünnt und die arme Wäscherin edle Kleidungsstücke für ihre Kinder geklaut. Sie wurden in aller Öffentlichkeit gescholten und versprachen sich zu bessern.

Ein kokettes Weib (so hieß es früher) wurde nach vorne zitiert und gefragt, „wie sie sich denn so kleidenimg_5253 könne: feinstes Garn, roter Hut … das geht doch gar nicht: so auffällig aufzutreten. Dunkle Wollstoffe waren vorgeschrieben“. Aber die neueste Mode kam aus Frankreich und Italien und machte es der Gescholtenen schwer, sich nicht schön zu kleiden. Sie versprach ihr Bestes eher kleinlaut.

Und dann noch der sogenannte „Stillstand“: Die Gemeindehelfer, Kirchenpfleger standen vor der Gemeinde zusammen und dachten laut nach: Ein Apéro solle zukünftig die Leute in die Kirche locken. „Was das denn sei?“ Dieser neumodische „Kram“ schwappte aus Italien und Frankreich in die Schweizer Dörfer. Man hörte von bestem Wein und  gerösteten Kartoffelscheiben. Das wollte man nachmachen.

Und irgendwann sinnierte einer der Kirchenmenschen: irgendwann in 250 Jahren haben wir eine eigene Homepage und die entsprechende Facebook-Seite dazu.

Hier habe ich über das Vorhaben geschrieben: Männer rechts. Frauen links.

 

 

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